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Gary Shteyngart: Kleiner Versager

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Gary Shteyngart_Kleiner VersagerIn den USA ist Gary Shteyngart seit Jahren ein gefeierter Schriftsteller. Mir war der jüdische Autor bis vor kurzem gänzlich unbekannt. Er wurde Anfang der siebziger Jahre in St. Petersburg geboren und emigrierte mit seinen Eltern nur wenige Jahre später in die Vereinigten Staaten. Was er als Kind und als junger Heranwachsender erlebt, verarbeitet er in seinem schriftstellerischen Werk.

In seiner Biografie „Kleiner Versager“ sind zahlreiche Themenkomplexe miteinander verwoben: der Wunsch nach Integration und gleichzeitig das Gefühl des Fremdseins, Traumatisierung durch frühkindliche Erfahrungen, dem hohen Anspruch den Eltern jederzeit gerecht werden zu wollen.

Mit sieben Jahren verlässt Gary mit seiner Familie die russische Heimat, um in einem weit entfernten Land noch einmal von vorn anzufangen. Er erlebt einen Kulturschock nach dem anderen – zunächst in Berlin, dann in Rom und später in den Vereinigten Staaten. Der größte Schock ist jedoch der, dass die Familie zum allmächtigen Klassenfeind, in die USA auswandert.

Das Verhältnis zu seinen Eltern ist schwierig bis hin zu katastrophal: die Erwartungen an den Sohn sind zeitlebens sehr hoch: Jurist solle er doch bitte schön werden. Vorwürfe und Beleidigungen muss Gary schon im zarten Alter ertragen und erleiden. Trotzdem sind seine Eltern Dreh- und Angelpunkt. Nur das ihr Verhalten negative Konsequenzen für sein Leben haben wird: Garys Mutter ist in ständiger, paranoider Sorge um den an Asthma erkrankten Sohn. Als kleiner Junge durfte er keinen Freund haben, da in den Augen der Mutter überall Krankheitserreger lauerten, die sein Bronchialleiden verschlimmern könnten. Der Vater hingegen ist stets enttäuscht von der geschwächten Stammesfolge und bezeichnete ihn liebevoll als kleinen Versager.

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Blogs der Buchbranche im Porträt | Klett-Cotta Blog

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Die Reihe Blogs der Buchbranche im Porträt geht in die nächste Runde. Heute stellt sich der Blog des Klett-Cotta Verlages aus Stuttgart vor. Seit knapp zehn Jahren schreibt Dr. Heiner Wittmann für den Blog und hat in dieser Zeit ein beachtlichen Archiv aufgebaut. Klett Cotta Blog 01

Seit wann gibt es den Blog?

Den Blog für Klett-Cotta gibt es seit März 2007.

Warum gibt es den Blog und was gab den letzten Anstoß, diesen aufzusetzen?

Wir hatten für die Französische-Redaktion des Ernst Klett Verlags ein Jahr vorher einen Blog für deutsch-französische Beziehungen www.france-blog.info gegründet, und die positiven Erfahrungen damit brachten mich dazu, Klett-Cotta einen Blog vorzuschlagen.

Welche Zielstellung verfolgt der Verlag damit?

Der Blog soll ausgewählte Titel von Klett Cotta und TROPEN mittels Leseberichte bekanntmachen. Es sind keine Rezensionen, die schreibt der Autor auf seiner eigenen Website, sondern Berichte = Leseberichte über gelesene Bücher eines Hauses unserer Verlagsgruppe. Der Autor des Blogs ist völlig frei und schreibt nach eigenem Gutdünken über seine Lektüren. Hinzu kommen Veranstaltungshinweise und Fotos von Veranstaltungen. Es werden auch Themen aus der Buchbranche oder der Online-Welt genannt, besonders wenn sich dabei die Gelegenheit ergibt, Titel von Klett-Cotta zu nennen. Zum Beispiel erinnere ich an den Lesebericht: Johann Friedrich Cotta, Ein Leben für die Literatur, wenn man in der Online-Welt wieder einmal das Urheberrecht aufweichen will und glaubt, die Aufgaben eines Verlegers oder der Verlage unterschätzen zu können.

Wie unterscheidet sich der Blog der Verlagsgruppe Klett  von anderen Verlagsblogs?

Den Leseberichten folgen im Prinzip Beiträge „Nachgefragt…“ mit einem Interview mit der Autorin oder dem Autor über YouTube: Gespräche und Interviews. Zum Beispiel:  Lesebericht: Roland Kachler: Die Therapie des Paar-Unbewussten
gefolgt von Nachgefragt: Roland Kachler: Die Therapie des Paar-Unbewussten.

Spontanität, ein ungeplantes Interview und das richtige Gesprächsklima führen zu bemerkenswerten Gesprächen, wie das mit Daniel Illger: Wie kommt man zum
Fantasy-Roman?, bei dem erklärte er, wieso er nach der Lektüre von Camus zum Fantasy-Roman kam.

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Susana Fortes: Warten auf Robert Capa

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Susana Fortes_Warten auf CapaRobert Capa, ein Name, der mir das erste Mal in Prag über den Weg gelaufen ist. Damals wurde gerade eine große Retrospektive seines Werkes in der tschechischen Hauptstadt gezeigt. Mit großem Interesse durchschritt ich die Ausstellung, sah seine berühmtesten Photos und verfolgte das Leben und Werk eines der bekanntesten Kriegsfotografen. Damals stieß ich auch auf den Namen Gerda Taro. Für mich nicht unbekannt, ist doch eine Straße in Leipzig, wo sie einige Jahre gelebt hat, nach der ersten Kriegsfotografin benannt.

Capa, der in Ungarn geboren wurde und eigentlich André Friedmann heißt, ließ mich seitdem nicht mehr los uns so las ich unter anderem auch die Biografie von Richard Whelan „Robert Capa. Photograph“.  Natürlich wird auch auf Gerda Taro, ihr bürgerlicher Name ist Gerta Pohorylle, eingegangen. Capa und Taro waren während der gemeinsamen Zeit in Paris und später im spanischen Bürgerkrieg ein Paar, das zusammen lebte und arbeitete. Eine Weile verlor ich Gerda aus den Augen bis ich dieses Jahr den Roman „Warten auf Robert Capa“ von Susana Fortes bei ebersbach & simon entdeckte. Das spanische Original erschien bereits 2009. Dem deutschen Publikum wird das Buch anlässlich des 80. Jahrestages des Spanischen Bürgerkrieges zugänglich gemacht.

Ausgangspunkt für den Text waren drei Pappkartons gefüllt mit 127 Negativfilmrollen, die 2008 in Mexiko gefunden wurden – damals eine Sensation. Die verloren geglaubten Aufnahmen stammten aus dem Spanischen Bürgerkrieg und wurden den Fotografen Robert Capa, Gerda Taro und David Seymour zugeordnet. Die Journalistin Susana Fortes entwickelt ausgehend von nachprüfbaren Fakten einen Roman, in dem sie die Gedanken und Gefühlswelt von Gerda Taro in den Mittelpunkt stellt.

2011 erschien der Film „La Maleta mexicana“, der den oben genannten Sensationsfund thematisierte.
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***Lateinamerikanische Literatur*** Héctor Abad stellt deutschem Publikum „La Oculta“ vor

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Letzten Freitag stellte der kolumbianische Schriftsteller Héctor Abad seinen aktuellen Roman „La Oculta“ im Haus des Buches in Frankfurt vor. Das Gespräch führte die Lektorin des Autors Corinna Santa Cruz und den deutschen Text las der Schauspieler Jochen Nix. Im Rahmen des Frankfurter Literaturfestivals literaTurm konnte litprom, die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. damit eine ganz besondere Lesung zum Programm beisteuern.

Einführende Worte fand Litprom Geschäftsleiterin Anita Djafari, die dieses Jahr zur Bücherfrau des Jahres gekürt wurde. Sie verwies auf den aktuellen Weltempfänger, die Bestenliste von litprom, auf die der Roman dieses Quartal landete. Gleichzeitig gestand sie aber, dass sie ein anderes Buch des Autors bevorzuge: Abads „Kulinarisches Traktat für traurige Frauen„.

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Jochen Nix, Héctor Abad und Corinna Santa Cruz | (c) Andreas Pleines, Frankfurt

Héctor Abad lebt momentan in den Niederlanden und arbeitet als Writer in Residence am niederländischen Institute for Advanced Study (NIAS). Er kann mittlerweile auf ein recht bewegtes Leben, das auch von Flucht und Gewalt geprägt ist, zurückblicken. Er wurde 1958 in Medellín geboren und verließ 1982 wegen eines papstkritischen Artikels als Student das erste Mal sein Land. Fünf Jahre später kehrt er zurück um noch im selben Jahr nach Europa zu flüchten, da sein Vater, Héctor Abad Gómez, ein bekannter Arzt und Universitätsprofessor ermordet wurde. Fünf Jahre lebte er im italienischen Exil und arbeitete als Dozent an der Universität in Verona. Seit seiner Rückkehr 1992 schreibt er Romane und ist auch als Kolumnist und Journalist tätig.

2006 konnte er während eines DAAD Stipendiats in Berlin seinen aktuellen Roman „La Oculta“ beenden. Und so überraschte er am Abend nicht nur mit einigen deutschen Passagen, sondern auch mit dem Kompliment, dass er den Klang der deutschen Sprache sehr gern höre – und das als spanischer Muttersprachler. Er würde auf jeden Fall Deutsch lernen, nur um die Werke von Joseph Roth im Original zu lesen. Er sei ein großer Bewunderer des österreichischen Autors und besonders fasziniere ihn der Roman „Die Flucht ohne Ende“.

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Joan Sales: Flüchtiger Glanz

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„Joan Sales geht weder in die Falle des melodramatischen Bekenntnisses noch in die der poetischen Träumerei, worunter die meisten Kriegsromane leiden. Aus diesem Grund überlebt die Wucht von Flüchtiger Glanz den Lauf der Zeit und kann heute mit derselben Intensität gelesen werden, mit der er geschrieben wurde.“

Juan Goytisolo

Joan Sales Roman „Flüchtiger Glanz“ galt letztes Jahr als wiederentdeckter Klassiker. Mit seinem Werk zu den Wirren des Spanischen Bürgerkrieges setzt sich der katalanische Schriftsteller mit einer Thematik auseinander, die dieses Jahr wieder in den Fokus der interessierten Öffentlichkeit geraten ist. Vor genau 80 Jahren begann dieser blutige, dreijährige Krieg, der Spanien bis in die Neuzeit gespaltet hat.

Im Zentrum des Textes stehen drei junge Katalanen, die das Barcelona der frühen 30er Jahren erleben: Lluis, Trini und Cruells – drei Idealisten, getrieben von der Sehnsucht das Leben Sales_24910_MR.inddin vollen Zügen zu leben. So intensiv und mit so viel Glanz wie nur eben möglich. Sie nehmen in diesen Jahren den Spanischen Bürgerkrieg (Juli 1936 bis April 1939), der mit dem Überfall am 17. Juli 1936  in Spanisch-Marokko unter der Führung von General Francisco Franco seinen Anfang nahm, mit all seinen Konsequenzen wahr. Die faschistische Revolte richtete sich gegen die unter Manuel Azana y Diaz geführte Volksfrontregierung Spaniens.Vor allem in den ersten Monaten erlebte Barcelona eine ungeheure Euphorie, eine Aufbruchsstimmung, die aber schnell im blutigen Chaos versank: die Jagd auf Andersdenkende hatte begonnen.

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Zu Besuch beim Suhrkamp Verlag in Berlin

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Der Suhrkamp Verlag ist der Verlag, den ich – schon als junge Leserin – wirklich als Verlag mit einem eigenständigen Programm wahr genommen habe. Das lag vor allem an Hermann Hesse und seinem schriftstellerischen Werk, dem vor einigen Jahren noch sehr stark ausgeprägten Lateinamerika Schwerpunkt mit Mario Vargas Llosa, Carla Guelfenbein, Isabell Allende und dem Programm des Jüdischen Verlags, der Schriftsteller wie Lizzie Doron und Else Lasker-Schüler im Programm hat.

Von außen erscheint das Haus in der Pappelallee 78-79 eher unscheinbar, früher saß hier einmal das Finanzamt. Heute beherbergt es einen der renommiertesten deutschsprachigen Verlage und es ist schon ein kleines Glück, diesen auch mal von innen begutachten zu können. Bereits zum zweiten Mal durchstreifte ich die heiligen Hallen in Berlin und es wird endlich auch Zeit Bericht zu erstatten. Das erste Mal besuchte ich den Verlag im Rahmen meiner Serie Blogs der Buchbranche im Portrait. In einem hoch interessanten Interview beantwortete mir damals Lektorin Doris Plöschberger meine Fragen zum Logbuch des Suhrkamp Verlages.

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Neue Reihe auf glasperlenspiel13: Verlagsgeschichte im Fokus

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Mir war von Anfang wichtig, dass es auf glasperlenspiel13 nicht nur Beiträge zu meiner aktuellen belletristischen Lektüre gibt. Ich wollte ebenso Einblicke in eine Branche geben, die mich seit Jahren fasziniert. In den letzten fünf Jahren konnte ich viele interessante Menschen aus der Welt der Literatur interviewen, habe Verlage besucht und mit Verlegern gesprochen. Des Weiteren war mir wichtig all meine Erlebnisse auf den unterschiedlichsten Lesungen festzuhalten. Darunter befanden sich Schriftsteller, deren Werk ich schon sehr lange begleite und wert schätze. Vor allem den lateinamerikanischen Autoren habe ich ein ganz besonderes Special auf meinem Literaturblogs eingerichtet: Literatur aus Lateinamerika. Meine letzte initiierte Reihe beschäftigt sich mit den Blogs der Verlagsbranche und umfasst mittlerweile zehn Beiträge, in denen mir die einzelnen Redaktionen Rede und Antwort stehen.

Seit geraumer Zeit nun spiele ich mit einem ganz bestimmten Gedanken, der sich aufgrund meiner Lektürevorlieben immer mehr in eine Richtung entwickelte.Von jeher habe ich mich neben der Literatur auch für Verlagsgeschichte interessiert. Und so lese ich regelmäßig Bücher, die sich mit der Historie von Verlagen im Allgemeinen aber auch mit einzelnen Verlagen im Speziellen beschäftigen. Die Reihe Verlagsgeschichte im Fokus soll zukünftig Bücher in den Mittelpunkt rücken, die sich im weitesten Sinne mit Verlagsgeschichte auseinandersetzen: Das müssen nicht immer Chroniken sein, auch Briefwechsel, Festschriften oder ein Bildband sollen vorgestellt werden. Und hier sind auch schon die ersten drei Bücher, die demnächst auf dem Blog zu finden sind.

Frank Möller: Dem Glücksrad in die Speichen greifen. Joseph Caspar Witsch, seine Autoren, sein Verlagsprogramm und der Literaturbetrieb der frühen Bundesrepublik.
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015

Brigitte B. Fischer: Sie schrieben mir oder was aus meinem Poesiealbum wurde.
Fischer Verlag; Frankfurt am Main 2001

Dies & Das zu Diogenes. Eine Art Festschrift zum 60. Verlagsjubiläum
Diogenes Verlag; Zürich 2012

Über jeden Hinweis zu Büchern, die in diese Reihe passen, freue ich mich natürlich sehr.