LiBeraturpreis 2019 – Weltliteratur von Frauen

Die Nominierten für den diesjährigen LiBeraturpeis stehen fest. Auf der Kick Off Veranstaltung am 6. Juni wurden die acht Schriftstellerinnen von der Jury in Frankfurt vorgestellt. Der LiBeraturpreis ist in seiner Art einzigartig und feierte vergangenes Jahr bereits sein 30 jähriges Jubiläum. Der LiBeraturpreis würdigt Weltliteratur von Frauen und ist nicht nur im deutschsprachigen Raum etabliert, sondern auch in den jeweiligen Herkunftsländern der Schriftstellerinnen bekannt. Seit 2013 wird der Preis von litprom, der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. vergeben.

Die Jury wählte im Vorfeld Titel von acht Autorinnen, die im Vorjahr auf eine der vier Weltempfänger-Bestenlisten gewählt worden sind. Der Weltempfänger ist eine Bestenliste, die jenseits des Mainstreams literarische Werke des Globalen Südens abbildet. In einem Interview erklärte mir Anita Djafari, Geschäftsführerin von litprom, die Idee und die Intention des Weltempfängers. Pro Jahr schaffen es sechs bis acht Bücher von Schriftstellerinnen auf die Bestenliste. Damit liegt der Anteil von Autorinnen beim “Weltempfänger” bei 20-30 Prozent.

Litprom hieß am 6. Juni alle Interessierten im Haus am Dom in Frankfurt herzlich willkommen. Alle acht Bücher wurden von den Juroren des LiBeraturespreises mit ihren persönlichen Einschätzungen und Empfehlungen dem Publikum vorgestellt. Das Besondere dieses Jahr, vor allem für mich: Von den acht nominierten Autorinnen kommen fünf aus Lateinamerika.

Die Gewinnerin erhält ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro und die Einladung zur Frankfurter Buchmesse. Zudem wird die Preisträgerin bei der Finanzierung eines selbstgewählten Schreibprojekts für Mädchen und/oder junge Frauen in ihrem Heimatland unterstützt. Das kann beispielsweise ein Alphabetisierungskurse für Mädchen und Frauen oder Schreibwerkstätten für junge Autorinnen sein. Bis zum 16. Juni kann online noch abgestimmt werden.

Unter den Nominierten ist Rita Indiana mit ihrem Roman „Tentakel“ hervorzuheben. Denn es ist das erste Buch überhaupt, dass aus der Dominikanischen Republik in Deutschland erscheinen wird. Sie selbst ist in Lateinamerika ein Art Rockstar und hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Autor und Journalist Ulrich Noller stellte Rita Indiana vor und gab sofort zu, dass er den Roman bis heute nicht verstanden habe. Aber „man muss ein Buch nicht unbedingt verstehen, um es gut zu finden.“ Indiana zeige mit ihrem Roman die Mentalitätsgeschichte des Landes auf und thematisiere aktuelle Themen wie Digitalisierung, Klimaprobleme und geschlechtliche Identität. Ihre Sprache sei frech, rotzig und kraftvoll. Ein wahres Fest des Erzählens und des Lesens. Mit ihrem Werk beteilige sie sich am globalen Diskurs und sei in diesem Kontext keineswegs als Exotin abzutun.

Des Weiteren möchte ich die Schriftstellerin Lina Meruane mit ihrem Roman „Rot vor Augen“ erwähnen. Jurorin Anita Djafrai stellte Autorin und Buch an diesem Abend vor. Für mich war die Chilenin keine Unbekannte mehr. Ich hatte sie bereits 2018 im Rahmen der Literaturtage kennengelernt. Sie thematisiert in ihrem Text den Umgang mit einer schweren Krankheit. Die Protagonistin und ihr Umfeld müssen sich mit ihrer plötzlichen Blindheit auseinandersetzen. In den aneinandergereihten Episoden bleibt weder ihre Familie, noch ihre ihre recht junge Beziehung verschont.

Viele interessante und wichtige Themenkomplexe werden von den Autorinnen auf höchstem Niveau literarisch verdichtet. Sie seien nicht mehr nur auf ihre Herkunftsländer zu reduzieren, erwähnt Djafari gleich am Anfang des Abends. Ich habe aber mittlerweile abgestimmt und meine Favoritin für den LiBeraturpreis 2019 ist Mercedes Rosende mit „Krokodilstränen“. Noch bin ich mitten in der Lektüre aber Juror Ruthard Stäblein hat bereits ein kurzes Fazit gezogen:

Aus einem Kindheitstrauma entsteht ein Psycho-Krimi. Die kleine Ursula ist esssüchtig. Ihr Vater erwischt sie, lässt sich nicht durch ihre »Krokodilstränen« beirren, sperrt sie ein. Sie wird sich rächen, trifft in Montevideo auf eine lächerliche Gang. Mit Verwechslung wird gespielt wie in einer Komödie. Der Leser wird dabei mit Augenzwinkern in das Konstrukt einbezogen. Ein Krimi zum Totlachen.

Alle nominierten Schriftstellerinnen im Überblick.

Nanae Aoyama [Japan]: »Bruchstücke«
Rita Indiana [Dominikanische Republik]: »Tentakel«
Lina Meruane [Chile]: »Rot vor Augen«
Guadalupe Nettel [Mexiko]: »Nach dem Winter«
Mercedes Rosende [Uruguay]: »Krokodilstränen«
Samanta Schweblin [Argentinien]: »Sieben leere Häuser«
Kamila Shamsie [Pakistan]: »Hausbrand«
Dima Wannous [Syrien]: »Die Verängstigten«

Bis zum 16. Juni kann online noch abgestimmt werden.

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1 Kommentar

  1. Hallo,

    ich habe tatsächlich noch keines dieser Bücher gelesen – werde aber versuchen, das schleunigst zu ändern. Danke für den Beirag, der meine Wunschliste um 8 Titel verlängert hat! ;-)

    LG,
    Mikka

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