Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne

Fotos aus Chile! Als ich das kleine Büchlein „Die Armutslehre der Bohne“ von Manuel Araneda in den Händen halte, bin ich zunächst erfreut, um dann sofort zu erstarren. Der Titel hatte mich vorgewarnt. Es ist ein verstörender Einblick in den chilenischen Alltag der Armut.

„Schaut sie Euch gut an, selbst wenn es manchmal schmerzt, ist etwas Wichtiges über das Land in Ihnen, das gesagt werden muss“

Wir sind mittlerweile so abgestumpft. Der Bettler auf der Straße, die Schlafenden in Ladeneingängen, die umherziehenden Kinder mit kostenlosen Zeitungen – sie sind unser aller Alltag und doch schauen wir weg, ignorieren sie gekonnt beziehungsweise nehmen wir sie nicht einmal mehr war. Als ich vor einiger Zeit einem Bettler Geld gab, musste ich mich dafür bei meiner Begleitung fast rechtfertigen, hatte derjenige doch eine Flasche Alkohol in der Hand. Wie selbstgefällig und arrogant wie gegenüber der Armut doch geworden sind!

Der Dichter und Fotograf Manuel Araneda sieht nicht weg, vielmehr konfrontiert er uns mit der Realität auf den Straßen Santiago de Chiles und dokumentiert zugleich das Leid vieler ChilenInnen. In Schwarz/Weiß und Bunt, so vielseitig wie Armut eben sein kann. Alle Generationen sind davon betroffen und werden von seiner Kamera eingefangen: Männer und Frauen, Kinder – keiner ist ausgenommen! Sie sind Opfer einer Gesellschaft, die knapp 30 Jahre nach der Diktatur Pinochets und einem Jahr unter der zweiten Amtszeit des rechtskonservativen Miguel Juan Sebastián Piñera Echenique keine Chance hat und unter dem Ausverkauf der chilenischen Gesellschaft zu leiden hat.

Herausgeber ist der deutsche Schriftsteller und Verleger Adrian Kasnitz. Er lernte Manuel Arenada auf der Buchmesse in Santiago de Chile, der Feria Internacional del Libro de Santiago, kennen. Der Fotograf stellte damals eine Reihe seiner Fotos aus und weckte damit das Interesse des Deutschen. Der Titel Die Armutslehre der Bohne bezieht sich auf ein Gedicht des chilenischen Dichters Pablo de Rohka (1895-1968):

„Wir kochten die hoffnungs- und schuhlose Bohne der betrogenen Nation, die Bohne der ultramontanen Regierung,
die Bohne ohne Würze und ohne das Blinzeln der Gesellschaftsmörder und der Massaker, die das große ausländische Heuschreckenkapital mit der Avantgarde
Veranstaltet, ähnlich den Lagern und gelb wie eine Salve
Und schrien die Verzweiflung der Nachbarn und den Fall der Republik in den Kanälen der Oligarchie heraus, zwischen Fußtritten und Soutanen
Den Schmerz des von Bettlern und Multimillionären, von Terror und Verbrechen bevölkerten Landes.“


Chile wird gern als wirtschaftliches Erfolgskonzept in einer eher unruhigen Region genannt. Doch die Gegensätze von Arm und Reich sind fast nirgendwo so extrem, wie im längsten Land der Welt. 1% konzentrieren 30% des Einkommens – jedoch leben 14,4% in Armut, knapp 5 % der Gesamtbevölkerung sind sogar extrem arm.
Einen interessanten Artikel bei Zeit Online erklärt die Hintergründe: „Chile Endtstation

Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne. Fotos aus Chile
Deutsche Übersetzung: AK
parasitenpresse, Köln 2018

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