Isabel Allende auf der Frankfurter Buchmesse: „Ich mag keine schönen Frauen“

Isabel Allende in Frankfurt

Es glitzerte und funkelte in Frankfurt. Isabel Allende, Grande Dame der amerikanischen Literaturwelt beehrte Frankfurt während der Buchmesse und stellte ihren neuen Roman „Der japanische Liebhaber“ im Schauspielhaus vor. Obwohl mir die letzten Bücher von ihr nicht ganz so zugesagt haben, verzauberte mich ihre Persönlichkeit auf ein Neues. Ich erlebte sie bereits zum dritten Mal und konnte mich auch dieses Mal ihrem Charme nur schwer entziehen.

Hauke Hückstädt vom Literaturhaus Frankfurt und Suhrkamp Verleger Dr. Jonathan Landgrebe begrüßten die Autorin und die überragende Moderatorin des Abends Margarete von Schwarzkopf. Die Schauspielerin Konstanze Becker las die deutschen Passagen aus dem Buch. Die Information, dass Allende an diesem Abend nicht signieren wird, enttäuschte so manchen Liebhaber aber wer will es ihr verübeln – nach einer anstrengenden Reise und einem langen Abend. Dafür schenkte sie allen Anwesenden zwei humorvolle, geistreiche aber auch ernsthafte Stunden. Ein großer Saal wie im Schauspielhaus Frankfurt schafft zuweilen eine schwer zu überwindende Distanz zwischen den Mitwirkenden auf der Bühne und dem Publikum. Isabel Allende erzeugte jedoch mit ihrer direkten und ehrlichen Art eine Nähe, die wohl tat.

There is no hope for you!

Margarete von Schwarzkopf fragte die Schriftstellerin gleich zu Beginn, ob es eine lebenslange Leidenschaft, wie sie den beiden Protagonisten in „Der japanische Liebhaber“ widerfährt wirklich gäbe. Allende antwortete prompt und sehr sicher: „Yes, if you are not married.“ Der Alltag und das Zusammenleben töte all die Leidenschaft zwischen zwei Liebenden. Schwarzkopfs resignierende Antwort: „Ich bin selbst seit 40 Jahren verheiratet.“ Daraufhin brillierte wiederum eine Allende: „There is no hope for you!“

In einem Brief an Ihre Fans auf der Webseite des deutschen Verlags schreibt Isabel Allende was die Leser von ihrem neuesten Werk erwarten können und welche Themen der Roman aufgreift.

Isabel Allende_Brief

Überhaupt sind Briefe in Allendes Leben und ihrem Werk wichtig und sehr präsent. Sie selbst schreibt seit Jahrzehnten ihrer 95jährigen Mutter täglich (!) am Ende eines Tages mal mehr, mal weniger Zeilen. Die Korrespondenz hat sie seit dem ersten Brief aufbewahrt und später jede einzelne Mail ausgedruckt. Entstanden ist ein enormes Archiv, das in Jahren beziehungsweise Jahrzehnten geordnet ist. Im Gespräch gesteht sie aber, dass ihre privaten Briefe längst nicht so poetisch wären wie die von Ichi an Alma aus dem Roman, sondern eher „Gossip“. Ichis Schreibstil sei gekennzeichnet durch japanische Zurückhaltung und Andeutungen.

Ich hatte ein paar freie Stunden zum Malen. Diesmal wird es nicht, wie so oft, die Landschaft von Topaz. Ich male einen Weg in den Bergen im Süden Japans, in der Nähe eines sehr alten und abgeschiedenen Schreins. Wir sollten noch einmal zusammen nach Japan reisen, ich würde dir gern diesen Schrein zeigen.

Ichi

I have a time and a place – not more

Beeindruckender fand ich jedoch ihre Arbeitsweise: Sie habe weder ein Script, noch eine vorgegebene Struktur. Sie sei selbst von vielen Figuren überrascht in welche Richtung sie sich entwickeln. Ihre Recherchen notiere sie auf kleine Notizzettel und dann beginne sie schon mit der Geschichte. Sie nähme die Zettel von der Wand und wenn der letzte verarbeitet wurde, sei der Roman fertig. Voila, so einfach schreibt frau Bestseller! Des Weiteren seien secrets sehr wichtig für jeden ihrer Romane – eigentlich könne man kein Buch ohne Geheimnisse schreiben. Für sie selbst wäre es schwierig ein Geheimnis für sich zu behalten. Aber eins habe sie wohl noch, das sie aber momentan nicht verrate. Vielleicht verarbeite sie dieses nächstes Jahr in einem neuen Roman. Ihr Rezept für eine gute Geschichte: Zuhören, crazy pepople, von den sie alltäglich umgeben ist und eine Familie denn in dieser gäbe es mehr als genügend verrückter Persönlichkeiten.

An diesem Abend erfuhr ich von vielen kleinen secrets und möchte sie natürlich auch hier teilen. So gab sie zu, dass sie keine schöne Frauen mag und wenn doch eine im Buch vorkommen würde dann lässt sie diese noch vor Seite 110 sterben. Blonde Haare mit langen Beinen (ihre Feststellung: wahrscheinlich alle Frauen im Saal) mag sie halt einfach nicht. So einfach ist das! Für ein anderes Geständnis erntete sie weitere Lacher: Sie versuchte in Kalifornien Deutsch zu lernen. Nach einigen Stunden meinte jedoch der Lehrer ganz lapidar zu ihr: This is not for you. Das alles erzählte sie so unbeschwert, ohne jegliche Hemmung und immer mit einem kleinem Schalk im Nacken.

Und dann wurde sie ernst aber auch sehr deutlich und fest in ihrer Meinung bei der aufkommenden Diskussion in Bezug auf einen selbst bestimmten Tod. Sie habe sich mit dieser Thematik schon sehr intensiv mit ihrer 95 Jahre alten Mutter und ihrem 100jährigen Stiefvater auseinandergesetzt. Beide leben zusammen in ihrer Wohnung in Chile und wollen auch zu Hause sterben. Allende wisse wie brisant dieses Thema sei aber sie unterstütze ihren letzten Willen und wenn ihre Eltern sie riefen, um diesen Wunsch zu erfüllen dann sei sie da. Im Roman wird dieses Thema gestreift aber nicht mit dieser Ernsthaftigkeit, sondern als eine Möglichkeit, als Gesprächsthema zwischen älteren Menschen.

Was bleibt von diesem Abend? Ihr JA zum Leben, das sie mit Humor belebt. Sie hat sich nach 27 Jahren von ihrem Ehemann getrennt und suche jetzt wieder nach einem neuen Partner. Ganz oben auf der Wunschliste für den neuen Lebensgefährten ständen gesunde Zähne und gleich danach Humor.

Ich habe den Roman bereits gelesen und er hat mich, wie Allende es sich gewünscht hat, über einige Stunden unterhalten. Interessant fand ich vor allem die vielen sehr unterschiedlichen Themenkomplexe, die sie gekonnt mithilfe ihrer Figuren zu einer Geschichte verdichtet. Für alle Allende-Verehrer natürlich ein Muss.

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