Blogs der Buchbranche im Porträt | KiWi Blog

KiWi Blog

Den Auftakt der neuen Reihe Blogs der Buchbranche im Porträt macht der Blog des Kölner Verlages Kiepenheuer & Witsch. Ich bin extra dafür nach Köln gereist, habe mit Verleger Helge Malchow und dem Team gesprochen und dabei viele Einblicke erhalten.

Seit wann gibt es den Blog?

Mal sehen … der erste Beitrag erschien am 8.10.2013. Also den Blog gibt es seit dem 8.10.2013.

Warum gibt es den Blog und was gab den letzten Anstoß, den Blog aufzusetzen?

Vor vielen Jahren gab es mal ein eigenes digitales Magazin (das „KiWi Extrablatt“)  und danach schon einmal ein Blog auf der „alten“ KiWi-Webseite. Zugegeben schlief der dort ein wenig ein, eingebettet zwischen dem eher statischen und katalogartigen Umfeld unserer Webseite. ABER: Als wir dann Ende 2013 unsere Webseite relaunchten, war die Gelegenheit gekommen, einen eigenen Ort zu schaffen für kreative redaktionelle Inhalte.  Zuvor nutzten wir für Inhalte dieser Art fast ausschließlich unsere Kanäle in den sozialen Netzwerken. Bei allen Möglichkeiten, die der „soziale Bereich“ zwar bietet,  gibt es auch Grenzen, die wir mit Hilfe des Blogs umgehen wollen. Dabei geht es zum einen um Darstellungsmöglichkeiten: Der Blog ermöglicht uns, auch mal „episch“ zu werden, d.h. den Inhalten Raum zu geben, Fotostrecken, Videos, längere Texte zu zeigen. Zum anderen bietet das Blog eine leserfreundliche Auffindbarkeit von redaktionellen Inhalten durch Blog-Kategorien und die Archivierung unserer Artikel. Und das Blog ist „unser“ Ort, jenseits der „geliehenen“ Plattformen, der Hashtags und einer schlichten Chronikfunktion, wie wir sie z.B.von Facebook kennen.

Welche Zielstellung verfolgt der Verlag damit?

Das Blog soll ein Begegnungsraum sein. Leser trifft auf Verlag und Autor, Verlag trifft auf Leser, Autor trifft auf Verlag, Verlag trifft auf Autor, Leser trifft auf Leser, Autor trifft auf Übersetzer, Übersetzer auf Leser, Leser auf Blogger und und und oder oder oder.

Außerdem haben wir so die Möglichkeit, auf aktuelle Geschehnisse zu reagieren, wie es zuletzt Helge Malchow tat, anlässlich der Anschläge in Paris: »Nicht einknicken«: Helge Malchow über die Fatwa gegen Salman Rushdie und warum die Angst nicht siegen darf

Das Redaktionsteam des KiWi-Blogs: Marco Verhülsdonk und Philipp Rusch (v.l.)
Das Redaktionsteam des KiWi-Blogs: Marco Verhülsdonk und Philipp Rusch (v.l.)

Wie setzt sich die Redaktion zusammen und wo ist sie intern angesiedelt?

Die Redaktion setzt sich aus Philipp Rusch und Marco Verhülsdonk also der halben Onlineabteilung zusammen. Auf Stühlen, an einem runden Tisch, meistens bei Marco im Büro.

Wie grenzt sich KiWi von anderen Verlagsblogs ab?

Vielleicht müsste man fragen: Wie unterscheidet sich der KiWi-Verlag von anderen Verlagen. Aber das sollen die Programmmacher, Leser und Kollegen beantworten. Unsere Blogstrategie grenzt sich, behaupte ich mal, nicht sonderlich von anderen Verlagsblogs ab.  Wie bei den meisten Blogs aus der Branche ist es auch unser Ziel, dem Verlag eine Stimme, nein, mehrere Stimmen zu geben. Den berühmten Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Das größte Ziel kann nur sein, möglichst nah dran an unseren Autoren und an uns selbst zu sein. Uns so zeigen, wie wir uns als Unternehmen jenseits der Pressemeldungen verhalten. Es soll ein bisschen wie auf der Buchmesse sein, nur nicht im Anzug oder neuen Kleidchen, mehr casual.

Welche Themen und Formate sind besonders wichtig?

Am aller wichtigsten sind uns natürlich, wie könnte es anders sein, die Beiträge von und mit unseren Autoren. In dem  „schnellen Format“ 12 Fragen an … beispielsweise stellen sich die Autoren selbst vor anhand des Themas, das uns am meisten interessiert: Lesen und der Umgang mit Büchern. Außerdem lassen sich einige Werkstattberichte auf unserem Blog finden, die Rubrik mit Isabel Bogdan Wie schreiben Sie eigentlich? sei hier besonders erwähnt.

Besonders am Herzen liegt uns außerdem, die beliebteste Rubrik im Blog das Notizbuch des Verlegers. Hier öffnet Helge Malchow sein Moleskine und lässt uns teilhaben an seinen Interessen, Unternehmungen, Begegnungen. Für uns ein ganz besonderes Privileg. Wem erzählt schon der Chef, was er so den lieben langen Tag treibt?

Welche Themenplanung liegt dahinter? Wie langfristig, nachhaltig sind die Themen angelegt?

Nachhaltig, langfristig! Danke für die Frage. Mit unserem neuesten Projekt wollen wir uns anhand unserer „berühmten“ Autorenwand durch die Verlagsgeschichte bewegen. Hier hängen ungefähr 200 Bilder an der Wand, jede Woche wollen wir eines zeigen. Sollten wir das durchhalten, werden wir damit 3,84 Jahre beschäftigt gewesen sein. Entstehen wird dabei hoffentlich nicht nur eine Galerie der Gesichter, sondern auch eine Studie über den „ersten Satz“.

Welche Technik wird dafür verwendet und mit welchen Kanälen ist der Blog verbunden?

WordPress, facebook, twitter, Instagram, google +. Ganz normal.

Gibt es einen Austausch mit der Community bzw. gibt es Feedback von Leserseite?

Gibt es, aber natürlich nicht genug. Es gibt nie genug Feedback; ein Satz, den man bei Spiegel Online eher selten hört, der aber für uns zutrifft und von dem so mancher Blogger bestimmt ein Liedchen singen kann. Viele Kommentare gehen auch „verloren“, weil sie in den Sozialen Netzwerken unter die verlinkten Blog-Artikel gepostet werden. Das ist nicht schlimm, aber so können wir sie leider nicht dokumentieren im Blog. Dafür halten die Kommentare bei facebook  den geposteten Beitrag am Leben. Auch schön.

Wie wird der Erfolg gemessen? Und welche Kriterien werden dafür angesetzt?

Wir nutzen Google Analytics, haben uns aber schon lange emanzipiert von quantitativen Parametern. Kleiner Scherz.

Gibt es einen besonderen Wunsch für die Zukunft ?

Bei der täglichen Arbeit:

  • Mehr Gelassenheit im Umgang mit plötzlich knackenden Plastikflaschen.
  • Öfter mal DAS Blog sagen
  • Google + lieben lernen

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Was gibt es noch zu sagen oder ein kreativer Exkurs der Redaktion.

Sonst noch … Dazu müssen wir etwas ausholen. Wir dachten nämlich: An dieser Stelle müssen wir Vera ein Freude machen. Nur, wie?

Es wäre doch schön, wenn wir irgendwie auf den Titel ihres Blogs eingehen könnten, der ganz offensichtlich von einer Begeisterung für Hesse zeugt, und einem Faible für die Zahl 13. Vielleicht könnten wir die Umschläge der gesamten Werkausgabe von Hermann Hesse mit einer 13 versehen? Macht sich ganz bestimmt gut im virtuellen Buchregal. Die 13 ½ Leben des Steppenwolfs, Demian und Die Wilde 13 …  Aber das geht nicht, da bekommen wir nachher rechtliche Probleme mit Suhrkamp, und außerdem: das ist doch alles auch sehr albern.

Als nächstes kam uns Heinrich Böll in den Sinn, den mag Vera auch, schließlich hatte sie sich, als sie uns im Verlag besuchte, von Helge Malchow die „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ signieren lassen. Also was haben wir über Böll zu erzählen? Mal rumgefragt und siehe da, eine interessante Geschichte kam zutage. Sie hatte nicht direkt etwas mit dem großen Dichter zu tun, aber er kam – wenn auch nur horizontal und ziemlich tot –, darin vor, und die Geschichte war sogar  unterhaltsam. Könnte ganz interessant sein, dachten wir und überlegten: Hatten wir hier im Interview nicht sowieso versprochen, unser Nähkästchen zu öffnen? Gibt es denn nicht noch mehr von diesen Anekdoten aus dem Giftschrank? Gab es. Genug, um einen ganzen Blogartikel daraus zu machen: KiWi Leaks – 5 Dinge, die Sie noch nicht über KiWi wussten. Danke für die Inspiration Vera! Die Sache mit Bölls Grab ist Dir gewidmet.

Das Grab von Heinrich Böll
Das Grab von Heinrich Böll in Bornheim

Bölls Grab Dieses Leak ist ein bisschen gemein, aber lustig. Die Kollegin, die es mir erzählte, möchte unter keinen Umständen genannt werden. Es trug sich also vor sehr langer Zeit zu, da war der Verlag noch in einer Villa untergebracht,  die über einen großen und teilweise verwunschenen Garten verfügte. Dort gab es einen Hügel, dieser Hügel war nicht besonders hoch, aber merkwürdig lang und schmal, es sah in etwa so aus, wie ein mit Erde bedeckter Baumstamm, der nach und nach zugewuchert war.  Die Kollegin, deren Name nicht genannt werden darf, suchte gelegentlich auch neue Mitarbeiter. Bei schönem Wetter zog sie es vor, die Vorstellungsgespräche im Garten zu führen und immer, wenn sie mit den neuen Anwärtern am merkwürdigen Hügel vorbeikam, nahm ihre Stimme einen ernsten Ton an, dann sagte sie: Und hier liegt unser Autor Heinrich Böll begraben. Die Reaktionen waren fast immer gleich: Zunächst fragendes Gucken, dann gelöstes Lachen. War ja nur ein Witz. Die Mission „Bewerbungsgespräch auflockern“ war geglückt. Nur einmal verstummte der Bewerber, streckte dann meiner Kollegin seine Hand entgegen und bekundete traurigen Blickes sein ganz, wirklich ganz herzliches Beileid. Meine Kollegin ist bis heute gerührt. Heinrich Böll ist Ehrenbürger der Stadt Bornheim, dort liegt er auch begraben, auf einem wirklich ganz normalen, übrigens sehr schönen Friedhof.

Mehr KiWi-Leaks gibt’s bei uns im Blog.

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10 Comments

    1. Was lange währt, wird gut oder so ähnlich. Ja, die Zusammenarbeit war sehr inspirierend – für beide Seiten ;). Bin auf die nächsten kreativen Exkurse gespannt.
      Merci, liebe Caterina.

      Gefällt mir

  1. Hallo Vera, das ist eine Reihe, die ich mit Sicherheit gerne und aufmerksam weiterverfolge. Die Blogs der Verlage habe ich nämlich bislang noch viel zu wenig auf dem Schirm. Der KiWi-Blog war ein schöner Start. Danke. lg_jochen

    Gefällt mir

    1. Lieber Jochen,

      das würde mich sehr freuen! Das Thema hat sich mir irgendwann geradezu aufgedrängelt. KiWi war der perfekt Start und es hat auch wirklich viel Spaß gemacht. Die Jungs sind klasse!
      Liebe Grüße Vera

      Gefällt 1 Person

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