Leseprojekt: Klassiker zum Thema Widerstand

Projekt Widerstand

Seit vier Jahren schreibe ich bereits diesen Blog und ich muss für mich eine (doch erschreckende) Entwicklung feststellen. Interessierte ich mich vor glasperlenspiel13  für ältere Literatur, meist von Schriftstellern, die bereits verstorben waren (nicht, dass das ein Kriterium gewesen wäre), so lese ich  momentan zu 90 Prozent Neuerscheinungen. Daran ist nicht wirklich etwas schlechtes auszumachen ABER ich vermisse eben meine „ollen Kamellen“. Ich vermisse die Werke von Klaus Mann und Friedrich Dürrenmatt; eine Anna Seghers und die russischen Schriftsteller. Edgar Hilsenrath möchte ich wieder in die Hand nehmen ebenso eine Rada Biller. Ganz zu schweigen von Autoren, die hier stehen und einen ziemlich langen Atmen haben und geduldig drauf warten entdeckt zu werden. Da wären zum Beispiel Ralph Giordano oder Isaac Bashevis Singer.

Aus diesem Grund wage ich mich an ein Leseprojekt, das ich schon sehr lange im Auge habe und mir seit Jahren ans Herz gelegt wird. Zunächst werde ich mich Manès Sperber und seiner Trilogie „Wie eine Träne im Ozean“ zuwenden und im Anschluss mit Peter Weiss „Die Ästhetik des Widerstandes“ die Materie weiter vertiefen. Das sind zusammen immerhin 3.000 Seiten und wird mich eine Weile beschäftigen. Aber es sind Themen, die mich umtreiben und mit Manès Sperber lese ich endlich einen Schriftsteller, der schon lange auf meiner persönlichen Pflichtlektüreliste steht.

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29 Comments

  1. Das ist eine Entscheidung, die ich nachvollziehen kann und die ich ebenso selbst für mich getroffen habe: das Rad der Zeit mal anzuhalten. Insgesamt bestehen doch noch zu viele Lücken, die nicht dadurch geschlossen werden, indem man nur zu Neuerscheinungen greift. Auch ich möchte den Fokus auf ältere Werke werfen und nur noch ausgewählte neuere besprechen. Das gehört ebenso zu den Vorzügen eines Blogs: Wir sind unsere eigenen Chefs. Ob der Plan aufgeht? We will see! :)

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    1. Ja, du sagst es. Diese Lücken machen einen verrückt und ich verzichte lieber auf die Neuzugänge und widme mich erst mal den Werken, die ich seit Jahren im Kopf habe und unbedingt lesen möchte. Chefsache eben ;) Und wenn Plan A nicht funktioniert, gibt es immer noch Plan B.
      We will see!

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  2. Noch mal zu dem Weiss-Text: Wir hatten damals in der Uni gar ein ganzes Pro-Seminar zur Ästhetik des Widerstands, die Referate wurden in Gruppen gehalten, weil das so viel Zeug war. In meiner Gruppe war ich der „Spezialist“ – weil ich immerhin zwei Drittel davon gelesen hatte. :)
    Mehr ist es auch später nie mehr geworden, was aber nichts daran ändert: Ich ziehe meinen Hut vor diesem Werk. Natürlich will es in seiner Argumentation überzeugen, natürlich ist die Handlung konstruiert und das Buch in seinem Detailreichtum fast nicht zu bewältigen. Aber es ist großartig, dass unser literarischer Kanon auch solche Texte umfasst!
    Und obwohl ich am Ende doch daran gescheitert bin, besitze ich ebendiese Suhrkamp-Ausgabe, völlig zerschreddert und aufgelöst, noch immer, und ich achte sie.

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    1. Völlig zerschreddert und aufgelöst ist die Ausgabe nach der Lektüre hoffentlich nicht aber ich wünsche mir, dass ich dieselbe Achtung vor dem Werk haben werde. Und obwohl die Kommentare bis jetzt ja eher verhaltend waren, spüre ich schon, dass es großartig wird. Danke für das indirekte Mut machen. Ich werde berichten.

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      1. Was sind denn deine/eure Lieblings-Scheiterwerke? Was hast du nicht zu Ende bekommen? Mir fällt noch Grass‘ Der Butt ein (die „dreibrüstige Aua“ ist mir trotzdem im Gedächtnis geblieben), und natürlich ganz viele Krimi-/Unterhaltungssachen, aber das war eher so berufsmäßiges Mal-Reinlesen-und-für-langweilig-Befinden…

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        1. Ich bin an Thomas Mann „Der Zauberberg“ gescheitert. Es hat mich irgendwann nur noch genervt und ich musste es weglegen um nicht wahnsinnig zu werden. Ansonsten bin ich eigentlich ziemlich tapfer und versuche immer durchzuhalten auch in der Hoffnung es wird besser.

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          1. Ah, wo du von Thomas Mann sprichst, fällt mir ein: Der Turm, von Tellkamp, da bin ich nicht mal über die ersten 40 Seiten hinausgekommen. Ich fand, das war wie Thomas Mann, aber ohne Ironie, und DAS fand ich wirklich mal unerträglich :)

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  3. Liebe Vera,

    ich finde das Projekt grossartig und bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Zu der Roman-Trilogie von Manès Sperber kann ich gar nix sagen, die habe ich nicht gelesen, also um so spannender für mich…

    Der Roman von Peter Weiss ist ein großartiges Buch, aber natürlich nicht wirklich oder zumindest nicht nur ein Roman. Er ist auch Geschichtsschreibung, theoretische Abhandlung, Autobiographie und vieles mehr – und ganz sicher nicht so runterzulesen, wie ein belletristischer Roman, nicht nur des Umfanges wegen. Er erfordert Lesearbeit, aber das finde ich nicht das Schlechteste.

    Und noch was fällt mir ein: ich habe mindestens ein halbes Jahr für die erste Lektüre gebraucht und brauchte zwischendurch immer mal wieder anderen Lektüre-Input.

    Ich denke, jedenfalls ist das meine Erfahrung, wenn man das Buch unter den richtigen Voraussetzungen vornimmt, dann ist das eine sehr gewinnbringende Lektüre.
    Liebe Grüsse
    Kai

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    1. Lieber Kai,

      vielen Dank für deine Gedanken. Das wird auf jeden Fall ein Projekt für 2015 und ich bin gespannt, wie lange ich wohl für beide benötige. Respekt habe ich schon jetzt aber ich freu mich auch auf die Herausforderung, auf die Lesearbeit, wie du es so schön sagst. Die richtigen Voraussetzungen und den Rahmen für so ein Buch muss ich mir einfach schaffen. Ich habe sogar schone Idee, wie ich das Ganze auf dem Blog darstellen kann. Jetzt muss ich aber erst mal LESEN.
      Liebe Grüße
      Vera

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  4. Viel Kraft, liebe Vera. Es gibt doch eine ganze Reihe flüssiger zu lesende olle Kamellen. Aber spanndend wird deine Lektüre bestimmt und gespannt warte ich auf deine Verarbeitung der Lektüre.

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    1. Liebe Ruth,

      ich danke Dir. Nach all diesen eher ernüchternden Kommentaren benötige ich anscheinend sehr viel Kraft. Vielleicht findest sich ja noch jemand der mir euphorisch beipflichtet … ? Hast du eins der beiden Bücher gelesen?

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  5. Ich bin da leider ganz bei Jochen. Habe den Peter Weiß eben noch mal aus dem Regal gezogen. Den ersten Teil (200 Seiten) hatte ich gelesen. Bis zum Ende gibt es sogar Anmerkungen. Ich habe es aber als Tortur in Erinnerung, da penetrant ideologisiert ist.

    Vor dem Sperber, den mir mein Vater schenkte, hatte ich vor der Fülle immer zuviel Respekt und ihn immer nur in der Hand gewogen. Das Werk mag aber sicher ein lohnendes Dokument der Zeitgeschichte sein – sowohl der Zeit vor dem Krieg, die die Romantrilogie ja behandelt als auch der Zeit der intellektuellen Aufarbeitung in den Siebzigern. Damals überschlug man sich ja vor Begeisterung.

    Bin somit gespannt, ob ich zumindest für den Sperber noch mal gewonnen werden kann. Auf jeden Fall ziehe ich schon mal den Hut vor der Initiative und verneige mich, wenn Du beide gelesen hast.

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    1. Ok, ich glaube gegen Ideologisierungen bin ich gewappnet. Das schreckt mich nicht ab.
      Bin echt gespant, was alle gegen Weiss haben. Bis jetzt hatte ich nur Positives gehört.

      Übrigens hat auch mein Vater mir den Sperber ausgeliehen – halt nur in einer Taschenbuchausgabe. Wenn es mich mitreißt, werden die Antiquariate noch nach einer ordentlichen, gebunden Ausgabe abgegrast.

      Den Hut kannst du gern ziehen und ob du dich auch verneigen kannst/darfst, wird sich zeigen ;).

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  6. Ein schönes Projekt, liebe Bücherliebhaberin! Ich bin mittlerweile zu einem ganz ähnlichen Schluss gekommen, da ich auch vor meinem Blog sehr gerne Bücher ganz abseits der Neuerscheinungen gelesen habe und diese Entdeckerfreude mittlerweile doch vermisse. Ich versuche gerade einen Spagat zwischen all dem, was neu erscheint und all dem, was seit Jahren in meinem Regal auf die Lektüre wartet.

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    1. Ja, der Spagat ist schwierig und ich möchte ihn eben durch diese beiden Bücher einmal ausprobieren. Ganz ohne die neuen Titel geht es aber auch nicht. Da schreiben meine lieben Bloggerkollegen einfach zu gute Besprechungen zu guten Büchern ;).

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  7. Ein tolles Projekt, liebe Bücherliebhaberin! Ein Projekt, das ich vorerst ad acta gelegt habe. Durch meinen Job komme ich so gut wie kaum zum Lesen von ollen Kamellen, da ich den Anspruch habe, für meine Kunden auf dem neuesten Stand zu sein. Aber ich behalte die alten Freunde im Blick. Und irgendwann kommt ganz bestimmt auch ihre Zeit.

    Dann viel Spaß & liebe Grüße

    Klappentexterin

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    1. Ich antworte mal ganz frech! Unter den „ollen Kamellen“ findet sich aber vieles, was ich jederzeit klebrig-frischen Neuerscheinungen vorziehen würde. Ich weiß, in Deinem Job musst Du da viel „durchhecheln“, um auf dem laufenden zu sein. Aber, hin und wieder bitte auch einen „abgehangenen Schinken“ einschieben, das ist wirklich nahrhaft. lg_jochen

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      1. Lieber Jochen,
        wie Recht du doch hast, aber ich lese nur einen Bruchteil von dem Neuen. Ich stelle mir immer wieder vor (oder viel mehr wünsche ich es mir), wie schön es wäre, wenn es jährlich nicht so viele Novitäten geben würde. Mein Regal hat wunderbare Schätze und sobald ich nicht die Zeit ticken höre (das ist meist eine kurze Phase zwischen Frühjahrs- und Herbstnovitäten), wende ich mich ihnen zu. Ich knabbere übrigens nur nahrhafte Bücher, ob taufrisch oder ein bisschen älter. ;)

        Sei herzlich gegrüßt
        Klappentexterin

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    2. Liebe Klappentexterin,

      das kann ich gut verstehen und wie du es ja auch schon angedeutet hast: Du musst für deine Kunden immer auf dem neuesten Stand sein. Aber sag mal empfehlt ihr nie auch was ganz „Klassisches“ oder älteres?

      Liebe Grüße von der Bücherliebhaberin

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      1. Liebe Bücherliebhaberin,

        Klassiker gehen in der Regel von ganz allein. Was ich gerne empfehle, sind neu aufgelegte ältere Werke wie die »Die Manon Lescaut von Turdej« oder »Untertauchen«. Und natürlich hat jede Buchhändlerin und jeder Buchhändler seine persönlichen Lieblinge, die sie immer wieder empfehlen, d.h. da sind auch ältere Bücher dabei, die im Regal stehen. Doch vorrangig interessieren sich viele Kunden für neue Bücher, auch da die Gefahr, dass der zu Beschenkende dieses nicht schon besitzt, geringer ist als bei älteren Titeln.

        Herzlichst
        Klappentexterin

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  8. Beide Titel sind – vor allem auch als Beispiele politischer, engagierter Literatur – eine hervorragende Wahl, wenn ich auch den Sperber stilistisch etwas „zäh“ fand. Aber das ist die Art Literatur, die ich bei der zeitgenössischen etwas vermisse.

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    1. Das kann man den topaktuellen Talenten auch nicht verübeln. Trotzdem will ich eben nicht die Talente der Vergangenheit vergessen bzw. missen.

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      1. Späte Antwort. Hm, warum war es so schwierig? Ich sag es mal salopp: wenig Handlung, viel Text und noch mehr Dialektik. Ich bin einfach mit der Thematik und Stil nie richtig warm geworden. Allerdings liegt der letzte Anlauf auch schon wieder mehr als eineinhalb Jahrzehnte zurück. Ich sollte es vielleicht nochmal wagen. So oder so, auf Deine Lektüreerfahrung bin ich neugierig. Magst Du vielleicht lesebgleitende Blogbeiträge schreiben? Etwa nach einem Drittel, der Hälfte oder zwischendrin, wenn es besonders gut oder aber auch besonders öde werden sollte. Könnte spannend sein. lg_jochen

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        1. Hallo Jochen,

          danke für deine Eindrücke. Nun kann ich nur hoffen, dass ich entgegen aller Meinungen hier etwas mit Herrn Weiss anfangen kann. Ich weiß noch nicht, wie ich das Projekt belgeiten werde. Hängt sicher von der Zeit und den Umständen ab. Aber es wird ganz sicher etwas kommen. Wahrscheinlich gegen Ende des Jahres ;).

          Liebe Grüße
          Vera

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