Im Gespräch mit alba. lateinamerika lesen

alba. lateinamerika lesen

Stundenlanges Surfen im Netz hat zur Folge, dass man über wunderbare Dinge stolpert. So geschehen vor ein paar Monaten als ich das Magazin alba. lateinamerika lesen entdeckt habe. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Redaktion möchten lateinamerikanische Gegenwartsliteratur im deutschsprachigen Raum bekannter machen, mit dem Ziel, den (inter)kulturellen und interkontinentalen Dialog zu stärken. Das Heft erscheint zweisprachig und momentan im Halbjahresrhythmus. Des Weiteren werden auch andere literarische Aktivitäten und Events organisiert. Das Interesse der Bücherliebhaberin war auf jeden Fall geweckt und so hat sie bei der Redaktion nachgefragt:

Sie feiern mit der dritten Ausgabe bereits ihr einjähriges Bestehen. Wer steckt genau hinter dem Magazin? Wie kam dieses Projekt vor einem Jahr zustande? Sind die Gründungsmitglieder nach wie vor aktiv?

alba: Inzwischen erschien im Oktober 2013 zur Frankfurter Buchmesse sogar die vierte Ausgabe von „alba. lateinamerika lesen“ mit einem Schwerpunkt auf Prosa und Poesie aus Brasilien und Übersetzungen nicht nur aus dem Spanischen (oder Englischen), sondern auch aus dem Brasilianischen ins Deutsche. Für uns ist es wichtig, Literatur aus und zu Lateinamerika in möglichst vielen ihrer diversen Facetten und Nuancen zu lesen und durch unsere Veranstaltungen und unsere Zeitschrift auch im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. In der im Frühjahr 2014 erscheinenden fünften Ausgabe werden wir besonderes Augenmerk auf Literatur aus dem karibischen Raum legen – und dann wohl auch Prosa und Poesie in französischer Sprache veröffentlichen und übersetzen. Wir sind junge Literaturwissenschaftler/-innen und Übersetzer/-innen aus Deutschland und Lateinamerika, vor allem aber Lesende, die Konzepte und geistige Inhalte antreiben, uns verbinden Freude an guter Literatur, an frischen Experimenten und ein gewisser Entdeckergeist. Als Gruppe und als Redaktionsteam zusammengefunden haben wir uns im Herbst 2011. Ein paar der Gründungsmitglieder arbeiten inzwischen etwas weniger im engsten Redaktionskreis, aber alle sind dem Projekt in vielfältiger Weise weiter fest verbunden. Der Anstoß zur Gründung kam von einem Argentinier in Paris, Guillermo Bravo, der dort eine französisch-spanischsprachige Zeitschrift für lateinamerikanische Literatur gleichen Namens herausgibt und das Projekt erfolgreich in diverse andere Städte und Kontinente ‚exportiert‘ hat.

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Die ersten vier Ausgaben von alba. lateinamerika magazin
  © María Ignacia Schulz (Red.mitglied alba)

Das Heft wirkt ja schon sehr hochwertig. Wie finanziert sich das Magazin? Wie hoch ist die aktuelle Auflage? 

alba: Die Finanzierung der Zeitschrift: Durch jede Menge Idealismus? — Nein, tatsächlich ist es schon so, dass inzwischen die Druckkosten der jeweils nächsten Ausgabe durch den Verkauf der vorherigen Ausgabe gedeckt werden und ganz zu Beginn bekamen wir ja eine kleine Anschubfinanzierung der „alba-Paris“-Gruppe, die zunächst auch Herausgeberin der Zeitschrift war. Die ganze Arbeit, die wir in die Organisation der Lesungen und sonstigen Veranstaltungen stecken und natürlich in die Zeitschrift ist allerdings „ehrenamtlich“ wenn man so will. Insofern sind die von uns veranstalteten Lesungen und die Zeitschrift wirklich Produkt dessen, wofür wir uns so sehr begeistern, dass wir es mit anderen Literaturbegeisterten teilen möchten. Sie haben in Berlin drei Partnerbuchhandlungen, zudem kann man alba auch online bestellen. Wie machen Sie sonst noch auf sich aufmerksam bzw. wo kann man alba noch beziehen? 

alba: Wir freuen uns sehr, dass „alba. lateinamerika lesen“ inzwischen auch in diversen Buchhandlungen nicht nur in Berlin, sondern etwa auch in Frankfurt am Main und in Wien in den Verkaufsregalen und auf Tischen liegt und so einfach einmal durchgeblättert werden kann. Über unsere Website kann man die als Appetithäppchen gedachten, dort veröffentlichten Artikel über diverse Social Media-Plattformen teilen und dort auch direkt einzelne Ausgaben oder ganz praktisch ein Abo der Print-Zeitschrift bestellen. Wir freuen uns auch, wenn Interessierte unseren Newsletter abonnieren. Auf diese Weise informieren wir über unsere Lesungen und Veranstaltungen und auch darüber, wann wieder eine neue Ausgabe erscheint. Dafür genügt eine Mail über das Kontaktformular auf unserer Website (http://www.albamagazin.com/de/kontakt.html). Außerdem hat sich um unsere Facebook-Seite (www.facebook.com/revista.alba), über die wir auch zwischen den Erscheinungsterminen der Zeitschrift Veranstaltungen empfehlen, eine rege Community gebildet. Die Auflage für Heft 4 lag bei 300 Stück.

Wie viele Einsendungen (Texte, Lyrik u.a.) erhält die Redaktion und wer entscheidet letztendlich über die Publikation?

alba: Wie viele Einsendungen wir in der Redaktion erhalten, lässt sich kaum sagen, doch uns schreiben immer wieder Autorinnen und Autoren an, die gerne ihre Texte veröffentlichen möchten. Der größte Teil des Austauschs mit Autorinnen und Autoren läuft allerdings über einzelne Redaktionsmitglieder und über weitläufige Netzwerke, die sich transatlantisch aufspannen, und die – was sehr schön ist – immer feinmaschiger werden. Häufig ist es so, dass wir direkt diejenigen Autorinnen und Autoren kontaktieren, deren Texte uns gefallen, und sie fragen, ob sie Lust darauf haben, für unsere Zeitschrift etwas zu schreiben oder uns Texte oder Lyrik zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidungen über den konkreten Inhalt jeder Ausgabe der Zeitschrift fällen wir immer im Kollektiv und lassen die Mehrheit entscheiden.

Gibt es Schriftsteller, die durch die Veröffentlichung in alba ein Angebot bzw. einen Vertrag von einem deutschen Verlag erhalten haben? Sprich gelang einem/einer schon der „Durchbruch“?

alba: Es ist ja schwierig, in Einzelfällen zu bestimmen, welche konkreten Veröffentlichungen oder Referenzen in diversen Medien letztlich dazu führen, dass Verlage auf bestimmte Autorinnen und Autoren aufmerksam werden und sich dazu entschließen, deren Werke zu publizieren. Allerdings ist es schön zu beobachten, wie sich um manche – auch von uns veröffentlichten – Autorinnen und Autoren herum allmählich ein Netz an Aufmerksamkeiten bildet, eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung allmählich entsteht und Verlage sich zunehmend in diversen Formen annähern und aktiv werden.

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„Voces del Sur“ v.l.n.r.: Jorge J. Locane (Red.mitglied alba), Samanta Schweblin (argent. Autorin), Benjamin Loy (Red.mitglied alba), Andrea Jeftanovic (chilen. Autorin), María Ignacia Schulz (Red.mitglied alba) © Claudia Wente (Red.mitglied alba)

Das Heft ist ja in Berlin verortet (auch die Veranstaltungen sind ja vorwiegend in der Hauptstadt). Konzentriert sich das literarische Schaffen lateinamerikanischer Schriftsteller in Berlin oder gibt es weitere Zentren in Deutschland? Ich hatte vor einiger Zeit die Gruppe Dámaso y los demás vorgestellt. Eine lockere Vereinigung junger lateinamerikanischer Schriftsteller aus dem Frankfurter Raum. Die würde ja eigentlich genau in das Spektrum des Magazins passen, oder? 

alba: Wir glauben, dass das literarische Schaffen – auch dasjenige lateinamerikanischer Schriftsteller – dezentral stattfindet und dass der Eindruck, dass es sich in großstädtischen Zentren konzentriere eher etwas mit der Art und Weise zu tun hat, wie Verlagswesen und Literaturbetrieb funktionieren. Mehrere unserer Redaktionsmitglieder etwa wirken an so unterschiedlichen Orten wie Bamberg, Frankfurt am Main, Köln oder auch Buenos Aires und spannen von dort aus Kommunikations- und Austauschräume mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die ebenso mobil sind, sowohl „real körperlich“ als auch in Bezug auf ihre Texte. Das Projekt Dámaso y los Demás hört sich sehr spannend an und passt auf den ersten Blick definitiv auch in das Spektrum von „alba. lateinamerika lesen“. Herzlichen Dank für diese Vermittlung, vielleicht ergibt sich hieraus ja eine mögliche Kooperation zwischen uns und der Gruppe.

Was wünschen Sie sich bzw. alba für die Zukunft? 

alba: Vielleicht, dass wieder mehr öffentliche Gelder auch für kleine Kulturprojekte zur Verfügung gestellt werden. Dass die Buchpreisbindung nicht aufgehoben wird und dass es weiterhin auch viele kleine Verlage und Buchhandlungen gibt, die sicherstellen, dass möglichst diverse, auch unkonventionelle und nicht den großen Markterfolg versprechende literarische Stimmen hörbar sind und diesen physischen Raum bieten, um sich auch einfach mal inspirieren zu lassen von den ausliegenden Büchern und Zeitschriften.

Wie schon erwähnt, ist vor kurzem das neue Heft erschienen. Besonders interessant fand ich das Interview mit César Aira und den Beitrag von Tilman Rammstedt „Zwei Sätze in Orange“. Des Weiteren beinhaltet die Ausgabe ein Special zur brasilianischen Lyrik.

Wer Interesse hat, kann auf der Website des Magazins die ersten beiden Ausgaben durchblättern.

Ähnliche Beiträge:

Interview mit Anita Djafari von litprom Interview mit der Schriftstellergruppe Dámaso y los demás

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