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Hernán Rivera Letelier „Die Liebestäuschung“

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Hernán Rivera Letelier ist in Deutschland vor allem durch sein Roman „Die Filmerzählerin“ bekannt geworden. Ich habe mich vor kurzem seinem letzten auf Deutsch erschienenen Buch „Die Liebestäuschung“ gewidmet.

Es ist eine Liebesgeschichte, die im Norden von Chile, genauer gesagt in den Gebieten der ehemaligen Salpeterminen, um die Jahrhundertwende angesiedelt ist. Als Kenner der Region schafft es Hernán Rivera Letelier den Leser in eine detailgetreue Welt zu entführen. Wer sich für das Land und seine Geschichte interessiert, ist mit dieser Lektüre auf jeden Fall bestens ausgestattet. Trotz meines Faibles für Chile bin ich von dem Roman aber leider etwas enttäuscht. Erst mit dem letzten Drittel gewann die Geschichte für mich an Substanz und nahm mich gefangen.

Golondrina, Tochter eines aufrührerischen Friseurs, der unter den Minenarbeiter in den Salpetermienen als Freund der Arbeiter geschätzt wird und einer früh verstorbenen Mutter, lebt mit ihrem Vater in der Stadt Pampa Unión. Sie hat sich durch ihre zahlreichen kulturellen Aktivitäten zu einer angesehenen Persönlichkeit und lokalen Größe entwickelt.

„Neben außergewöhnlicher Schönheit und einer fast durchsichtigen Blässe ihrer Haut hatte das Fräulein Golondrina del Rosario von ihrer Mutter ein feines künstlerisches Gespür geerbt. Sie gab einigen wohlhabenden Damen des Ortes Klavierstunden und unterrichtete außerdem, bei sich daheim und völlig kostenlos ein paar Kinder, die sich zum Morgenappell der kleinen Grundschule besonders hervortaten, in der schwierigen Kunst des Vortrags. Das Fräulein Golondrina del Rosario war die beliebteste Stummfilmbegleiterin weit und breit. Die Filmfreunde vor Ort waren sich einig, dass sie die Beste war, die je an dem einfachen Klavier im Arbeiterlichtspielhaus gesessen hat.“

Bello, ein begnadeter Trompetenspieler, war für Musikerkollegen „ein Spinner, und sie hielten es für einen Spleen, dass er sein Instrument nie einpackte. Mit seinem stets unerschütterlichen, eiskalten Lächeln sagte er, die Trompete sei – wie gewisse Frauen auf dieser Welt – dazu geschaffen, ihr Leben nackt zu verbringen, vor allem nachts. Und mit einem fachmännischen Augenzwinkern trank er erst ein gutes Glas Wein – dieses Thema erörterte er ausschließlich mit der Kante eines Tresens vorm Bauch – schob dann seine schmale, gepunktete Flieg zurecht und fügte mit meisterhafter Nonchalance hinzu, in der Nacht würden die Frauen die Liebe aufs schönste vertonen und die Trompeten aus den Tönen umso schönere Harmonien weben … das habe er ganz allein beim Spielen in den verruchtesten Hurenhäuser gelernt; weil das nämlich die einzigen Orte waren, wo sich ein echter Musiker genauso fühlen konnte: als echter Musiker.“

Durch schicksalhafte Wendungen lernen sich die Golondrina und Bello in einer Nacht in Pampa Unión, „dem gefeiertsten Ort der Atacama-Wüste“ kennen, lieben und trennen sich, um erst ein Jahr später wieder aufeinander zutreffen. Eine leidenschaftliche Liebesgeschichte beginnt, die beide aber geheim halten. Erst durch den Umstand, dass der ungeliebte Präsident das kleine Städtchen am Ende der Welt besuchen soll, verdichtet sich die Geschichte. Golondrinas Vater sucht eine Möglichkeit sich gegen den Besuch des Diktators zu währen und Bello probt mit seiner Musikkapelle den gebührenden Empfang des Staatsoberhauptes. Am verhängnisvollen Tag des Präsidentenbesuches überstürzen sich die Ereignisse und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wie schon erwähnt haben mir die letzten Kapitel besonders gut gefallen. Überraschende Wendungen und eine dynamische Handlung nahmen mir teilweise den Atem. Die tragische Entwicklung wird später im Epilog näher erklärt und der Leser erhält einen weiteren interessanten Einblick in das Leben der damaligen Salpeter-Siedlungen.

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Hernán Rivera Letelier „Die Liebestäuschung““
Original „Fatamorgana de amor con banda de música
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
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