RSS-Feed

Bernhard Moshammer „Die Zukunft wird kein Honiglecken“

Veröffentlicht am

Familie – für viele eine romantische Vorstellung von Sicherheit, Vertrautheit und Harmonie. Wer sich dieses Idealbild erhalten will, sollte dieses Buch nicht lesen!

Bernhard Moshammer räumt schonungslos mit Klischees und Träumereien auf. Lotte hat mit 44 soeben ihren zweiten Sohn (ihr erster Anselm ist bereits 17 Jahre und dabei sich vom Elternhaus loszusagen) bekommen, als ihr Mann Lutz gesteht, dass er mit einer wesentlich jüngeren Arbeitskollegin eine Affäre hat. Dass diese wenig später auch mit dem Sohn Anselm ins Bett geht, lässt die Katastrophe auf einen Höhepunkt zusteuern. Lotte reagiert auf all das nur mit Schweigen.

Was mir an „Die Zukunft wird kein Honiglecken“ so gefällt: Moshammer rutscht nie in die gängigen Stereotypen ab und bleibt in seiner Sprachwahl bissig, direkt und sehr ehrlich. Die Innenstrukturen einer jahrelangen Ehe werden sehr genau obduziert und vor allem Lotte und ihr Sohn Anselm demontierten den gängigen Familienbegriff: „Alltägliches Kriegsgetümmel. Familien sind wie Fernsehserien, nur ohne Gags – und weder kann man den Kanal wechseln noch den verdammten Fernseher ausschalten.“ Moshammer thematisiert neben Familie und Ehe in der modernen Zeit auch das Dilemma der heutigen Intellektuellen und so fragt sich Lotte „Erfassen die Einfältigen das Leben in seiner wahren Bedeutung, weil sie es einfach akzeptieren und nicht mir philosophischen Konzepten und unrealistischen Wünschen und Vorstellungen verderben und verkomplizieren?“ Moshammer nimmt dabei ganz nebenbei Österreich und seine Macken auf die Schippe. Er macht auch nicht halt vor den psychischen und physischen Problemen einer Frau kurz nach einer Geburt; beschreibt sehr detailliert und präzise die Gefühlswelten einer frischen Mutter.

Die Erzählperspektive wechselt ständig, so kommt keine Routine oder gar Langweile beim Leser. Des Öfteren meldet sich sogar eine dritte Instanz und bemängelt dies oder jenes beim Schriftsteller.

Zur weiteren Einstimmung kurz ein paar Zitate:

„Die österreichische Jugend hat nicht die geringste Ahnung von schlechten Zeiten, von Druck oder Angst oder Unsicherheit. Noch keine Generation war so dekadent und von noch keiner Generation ist so wenig verlangt und gefordert worden wie von dieser.“ (Josef, Vater von Lotte 73)
 
„Dieser Generation wäre sogar der Hitler wurscht!“ (Anna, Mutter von Lotte 71)

„Wie heißt es so schön: Die Kinder sind die Zukunft! Scheiß drauf: Die Zukunft bin ich!“ (Lutz, 46)

„Ach, hätte ich nur eine Pistole zur Hand, irgendetwas zum Abschlachten und Ruhigstellen von Familien.“ (Lotte, 44)

_____________________
Bernhard Moshammer „Die Zukunft wird kein Honiglecken“
Milena Verlag 2013

 

Advertisements

Und was sagst du dazu ...?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: