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Raul Zelik im Club Voltaire

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Im Auge des Taifuns – so könnte man die geografische Lage des Club Voltairs in Frankfurt bezeichnen. Diesen kleinen aber durchaus interessanten Verein, der zugleich politik kultur kneipe & legende in sich birgt, habe ich Ende letzten Jahres in Zusammenhang mit einer Lesung entdeckt. Mein Navigationssystem steuerte mich geradewegs auf das Bankenviertel in Frankfurt zu, um mich am Ende nochmals darauf hinzuweisen, dass eben jener links ausgerichteter Club Voltaire sich mitten im Zentrum der hiesigen Finanzmacht befindet. Ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen.

Raul Zelik im Club Voltaire

Raul Zelik im Club Voltaire (c) glasperlenspiel13

An diesem Abend stellte sich der Münchener Raul Zelik mit seinem aktuellen Roman „Der Eindringling“ vor. Ihm war es eine Ehre endlich in besagter Lokalität aufzutreten. Wie oft hat er in den letzten Jahren wehmütig während der Buchmesse davor gestanden und sich gedacht: „Hier möchte ich auch einmal lesen.“ Vielerorts wurde der Roman als politischer Roman interpretiert. Davon wollte Zelik nichts hören; vielmehr sei es eine Vater-Sohn Geschichte, eine Auseinandersetzung mit der väterlichen Vergangenheit, die es in sich hat. Der Roman soll Zeitgeschichte diskutieren und basiert auf Fragmenten mit realem Hintergrundfb512-raulzelikdereindringling.

Ausgehend von der Gegenwart und der Krankheit des Vaters Fil erzählt Zelik die Geschichte von Daniel, Fils Sohn, der jahrelang vom Vater vernachlässigt wurde und ihn erst jetzt am Krankenbett wieder sieht. Er möchte begreifen, warum Fil damals gegangen ist und warum ihm seine politischen Aktivitäten wichtiger waren als sein Sohn. Der Leser folgt dem Erzähler immer wieder in die Vergangenheit – in die 80er Jahre Westberlins – und erfährt so sehr anschaulich die Beweggründe der damaligen Aktivisten. Auf der Suche nach Antworten taucht Daniel immer tiefer in das Leben seines Vaters ein.

Interessant war natürlich auch die anschließende Diskussionsrunde zur Politisierung in den frühen 80er Jahren, die laut Zelik allgemein unterschätzt wird, das Thema Erinnerung und Erinnerungsprozesse und die Frage nach der heutigen Generation, bei der es anscheinend keine Reibungsflächen aber auch keine Radikalität mehr gibt.

Gekauft habe ich mir an diesem Abend nicht das neue Buch, sondern den Vorgänger „Der bewaffnete Freund“ der mit einem interessanten und zugleich provozierenden Plot aufwartet: „Mit Elementen des Kriminalromans erzählt Raul Zelik von der abenteuerlichen Freundschaft eines jungen Deutschen mit einem untergetauchten Basken. Es ist zugleich ein Buch über das Wesen von Identität, Gewalt und Politik mitten im neuen Europa, ein Roman, der aus der allgemein verbreiteten Befindlichkeitsprosa deutschsprachiger Gegenwartsliteratur herausragt.“ Ich habe mir auch gleich das Buch auf Baskisch signieren lassen. Denn Zelik beherrscht neben Spanisch auch Euskara (baskisch).

Für alle Interessierten des aktuellen Romans hier schon mal ein Vorgeschmack auf „Der Eindringling“. Gelesen von Raul Zelik auf Zehnseiten.de.

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  1. Absolut nüchtern – da war „schön“ wohl nicht der richtige Begriff. Ich habe vor vielen Jahren schon „Friss und stirb trotzdem“ von Raul Zelik gelesen und dann immer mal wieder was von ihm. „Der Eindringling“ hat mich persönlich interessiert, weil ich auch mal eine Familiengeschichte, in der eine Tochter ihre Mutter näher kennenlernt, geschrieben habe – und jetzt quasi auf die „männliche“ Sichtweise gespannt war… LG Mila

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  2. Liebe Mila,

    du hast das Buch also schon gelesen. Ich empfand die Sprache (zumindest was ich bei der Lesung gehört habe) teilweise sehr radikal und nüchtern. So als wollte Zelik Distanz schaffen. Wie bist du denn auf den Roman gestoßen?

    Viele Grüße
    Vera

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  3. Mir hat „Der Eindringling“ sehr gut gefallen. Schöne Sprache. Solltest du dir auch noch holen. LG Mila

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