„Das Glasperlenspiel“ auf der Bühne

Gestern Abend wurde mir mal wieder bewusst, warum ich meinen Blog glasperlenspiel getauft habe. Denn die Faszination dieses Werkes lebt auch auf der Bühne fort und um es mit den Worten meiner gestrigen Begleitung kurz zu beschreiben: Einfach herrlich dieses Stück!

Das Glasperlenspiel
Moritz Stoepel

Mir war vor der Aufführung nicht ganz klar, wie es Moritz Stoepel schaffen wird ein so komplexes Werk wie „Das Glasperlenspiel“ auf die Bühne zu bringen. Überzeugt hat er mich mit seiner Ein-Personen-Darbietung allemal. Angeregt wurde ich durch flattersatz, der auf seinem Blog aus.gelesen begeistert über das Stück berichtet hatte. Nun hatte ich endlich die Gelegeheit das Stück im Internationalen Theater Frankfurt zu sehen.

Stoepel vermittelt mit Hilfe von bekannten und exotischen Klangwelten die mystische und vom Geist geprägte Atmosphäre des Romans. Er nutzt dafür mindestens zehn verschiedene Instrumente (u.a. die indische Shrutibox). Die Inszenierung war 2002 im Auftrag das Suhrkamp Verlages entstanden, der im Zuge des Hermann Hesse Jahres etwas Besonderes für die Bühne suchte. Moritz Stoepel fiel mit seinem Vorschlag „Siddartha“ mit der Begründung „Das ist zu einfach“ durch. Stattdessen wurde es „Das Glasperlenspiel“. Drei volle Monate zog er sich daraufhin zurück, um eine Bühnenfassung des Romans zu schreiben, mit dem er zehn Jahre nach der Prämiere in der Schweiz noch immer das Publikum begeistert.

Anschaulich zeichnet er den Lebensweg des Josef Knechts, der in Kastalien nach wenigen Lehrjahren zum Magister Ludi des Glasperlenspieles ernannt wird. An dieser Eliteschule ist Josef komplett von weltlichen Einflüssen abgeschottet und konzentriert sich auf Lehre und das Glasperlenspiel. Stoepel wählt für seine Inszenierung signifikante Dialoge und bietet diese in verschiedenen Rollen dar. Zwei Stunden scheinen zunächst relativ lang aber schon nach einer viertel Stunde ist man gefangen und folgt Josef Knecht willig in seine Welt. Interessant und hervorragend umgesetzt, fand ich vor allem die Streitgespräche mit seinem alten Schulfreund Plinio Designori, der neben Pater Jakobus zunächst als Gegenspieler fungiert später aber Josefs Helfer bei der Rückkehr in das weltliche Leben ist. Das Stück ist vor allen jenen zu empfehlen, die „Das Glasperlenspiel“ lesen wollten, sich aufgrund des Umfangs und der Thematik aber nicht so recht trauen. Auf der Seite von Moritz Stoepel findet ihr die nächsten Termine.

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3 Comments

  1. Liebe Nora,

    schön, dass gerade du dabei warst! Jemand der es zu schätzen weiß. Aus verschiedenen Gründen bin ich dem Theater lange Zeit fern geblieben. Moritz hat es geschafft nicht nur Lust auf das Buch sondern aufs Theater im Allg. zu machen.
    Sei gegrüßt
    Deine Bücherliebhaberin

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  2. Liebe Vera, noch viele solche Abende mit Dir wäre toll!Der Theaterabend war wie bei einem guten Buch…man wollte nicht, dass er endet!Und Moritz hat auf der Bühne und auch in dem Plausch danach erlebbar gemacht, wie ein guter Text den Leser hineinsaugen kann – wie eine Sucht nach dem Text entstehen kann! Wunderbar! Nora

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