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Autobiografisches aus Chile

Veröffentlicht am
Lateinamerikanische Woche

Dieser Beitrag verbindet gleich zwei Interessen meinerseits. Zum einem autobiografische Texte und zum anderen „das Land am Ende der Welt“ wie es die Chilenen selbst gern betiteln. Es ist schon eine Leistung, wie viel großartige Schriftsteller dieses kleine Land hervorbringt. Sogar zwei Nobelpreisträger mit ihrem lyrischem Werk sind unter ihnen: Gabriela Mistral (Nobelpreisträgerin 1945) und Pablo Neruda (Nobelpreisträger 1971). Weitere bekannte AutorenInnen sind Isabel Allende, Roberto Bolaño, Jorge Edwards, Antonia Skármeta, Marcela Serrano, Elizabeth Subercaseaux, Luis Sépulveda, Carla Guelfenbein und Óscar Hahn.

Pablo Nerudas Häuser in Chile zu besichtigen, ist eigentlich für jeden Besucher Pflicht. Noch bevor ich irgendwas von ihm gelesen hatte, wusste ich schon wie und wo er gelebt hat. Alle drei Häuser (casa La Chascona, casa Isla Negra und casa La Sebastiana) beeindruckten mich auf ihre Weise. Mit seinem autobiografischem Roman „Confieso que he vivido“ (Deutsch: „Ich bekenne, ich habe gelebt“; bei Luchterhand erhältlich) erhielt ich dann endlich auch einen Einblick in sein aufregendes Leben. Der Leser erfährt nicht wie erhofft Privates oder Intimes, vielmehr setzt Neruda bei diesem Roman auf seine unzähligen Aufenthalte im Ausland (Südostasien, in Rangun, Colombo, Singapur und Jakarta, Barcelona, Madrid, Paris und Mexiko) und erzählt von seinen Freundschaften zu bekannten Zeitgenossen. So war er tief verbunden mit Federico García Lorca und Pablo Picasso. Durch die vorherrschende politische Situation ergriff er schnell Partei und wurde Mitglied der Kommunistischen Partei Chiles, später sogar zum Senator gewählt. Ich habe nicht viel von seinem eigentlichen Werk gelesen aber es gibt viele Zeilen, die mich besonders berühren.

„Mi vida es una vida hecha de todas las vidas: las vidas del poeta“
„Mein Leben ist ein Leben aus allen Leben: den Leben des Dichters.“

Isabel Allende brauche ich wohl nicht näher vorstellen. Sie ist eine Schriftstellerin, die polarisiert. Entweder man mag sie oder eben nicht. Ich hatte bis jetzt zwei Mal das Glück sie live bei einer Lesung zu erleben und das muss man ihr einfach lassen: Sie strahlt eine ungeheure Energie aus und kann ihr Publikum mitreißen und begeistern. Zugeben muss ich allerdings, dass mir ihre ersten Werke besser als die Letzten gefallen haben. Mit „Mi país inventado“ (Deutsch: „Mein erfundenes Land“; bei Suhrkamp erhältlich) hat sie wieder zu ihren Wurzeln zurückgefunden. In einer Mischung aus Fiktion und real Erlebten beschreibt sie rückblickend und episodenhaft ihre Familie, ihr Chile, ihr Leben. Land und Leute werden genau unter die Lupe genommen – mit all den Vorzügen und Fehlern. Wer „Das Geisterhaus“ gelesen hat, wird alt bekannte Figuren wieder entdecken und dem Reiz des großen Eckhauses wieder einmal erliegen. In „Mi país inventado“ stellt Allende ein Zitat von Neruda vorneweg:

„… aus dem einen oder anderen Grund bin ich ein trauriger Verbannter. Auf die eine oder andere Weise reise ich mit unserem Land, und es lebt auch dort, in der Ferne, mit mir die meiner Heimat eigene lange Spanne.“

Beiden Werken gemein ihre unbegrenzte Liebe zu Chile und den Chilenen, ihre Erzählfreude und die schon erwähnten autobiografischen Bezüge. Auch hier mein Fazit: UNBEDINGT LESEN!

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  1. Pingback: Pablo Neruda zu Ehren | glasperlenspiel13

  2. Liebe Mila,

    „Die Naziliteratur in Amerika“ habe ich des öfteren gehört und auch schon empfohlen bekommen. Zeit, dass ich das Buch in die Hände bekomme aber wie du so schön schreibst, die Bücherreagle biegen sich unter den noch nicht gelesenen Büchern!

    Selbst eine kurze Passage in Lateinamerika macht das Manuskript schon vorab interessant ;)

    Liebe Grüße & vielen Dank noch einmal für deinen Tipp.

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  3. „Die Naziliteratur in Amerika“ – lauter fiktive Biografien von Autoren und ein paar Autorinnen, die mit den Nazis geflirtet und paktiert haben – oder es noch tun, weil einige auch erst in unserer Zukunft sterben werden. Ziemlich durchgeknallt, ziemlich witzig, ziemlich absurd.
    „Der Rest ist Schweigen“ will noch gelesen werden – aber wie immer: Zu viele tolle Bücher und dann lagern sie im Stapel…
    (In meinem neuen Manuskript spielt nur eine kurze Passage in Lateinamerika…)

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  4. Liebe Mila,

    auch Dich möchte fragen, was hast du denn von Bolaño diesen Sommer entdeckt? Und Frau Guelfenbein solltest Du wirklich (was für ein Titel ist es denn?) zu Gemüte ziehen. Da fällt mir gerade wieder ein, dass du auch an einem neuen Buch schreibst, das irgendwo in Lateinamerika spielt, oder irre ich mich?

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  5. Liebe buechermaniac,
    darf ich fragen, was Du von Sepúlveda gelesen hast? Die Ausgabe zu Roberto Bolaño kenne ich aber es wäre natürlich reizvoll sie hier zu haben. Das muss ich noch einmal mit meiner Buchhaltung klären ;)

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  6. Roberto Bolano war meine persönliche Sommerlektüreentdeckung. Carla Guelfenbein steht schon länger bei mir im Regal. Jetzt muss sie endlich mal lesen! LG Mila

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  7. Ich gestehe, von Neruda und Allende habe ich noch nie etwas gelesen, „Das Geisterhaus“ kenne ich verfilmt und hat mir damals sehr gefallen. Sepúlveda und Skármeta habe ich für mich entdeckt und beide Autoren sind sehr lesenswert. So wie es aussieht, hat dieses lange schmale Land noch einige Autoren, die man entdecken sollte. Auch Roberto Bolaño ist eine ganze „DU“-Nummer gewidmet, die September-Ausgabe 2011 (http://www.du-magazin.com/de/magazin/nachbestellungen/).

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