Marcelo Ferroni in Frankfurt

Marcelo Ferroni
Marcelo Ferroni

Bei meinem Special darf natürlich eine Lesung nicht fehlen. Montag Abend stattete ich daher Marcelo Ferroni bei der Vorstellung seines neuen Buches „Anleitung zum Guerillakrieg“ einen Besuch ab. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe BrasiLesen (eine Initiative des Centro Cultural Brasileiro de Frankfurt, dem Generalkonsulat von Brasilien, Litprom, Literarische Agentur Mertin, TFM-Centro do Livro und Empório VidaBio) geben aktuelle brasilianische Autoren einen ersten Vorgeschmack auf 2013 und den Ehrengast der Frankfurter Buchmesse Brasilien. Positiv hervorzuheben ist zunächst der freie Eintritt – in Frankfurt eher eine Seltenheit – und die Begrüßung in der Sprache des Autors. Viel zu oft habe ich es erlebt, dass man sofort ins Englische wechselte. Moderator und Übersetzer für den Abend Michael Kegler sorgte für einen hervorragenden deutsch-portugiesischen Austausch.

Marcelo Ferroni kommt ursprünglich aus São Paulo und lebt seit sechs Jahren in Rio de Janeiro. Zunächst als Journalist tätig, ging er 2006 als Verleger in die Buchbranche. Seitdem wechselte er ständig zwischen Verleger-  und Autorenmodus. Auf Che Guevara und sein Leben ist er durch Recherchen, insbesondere durch einen Artikel über seine Versuche im Kongo eine Revolution anzuzetteln, aufmerksam geworden. Der augenscheinliche Kontrast zwischen einer Idee und der Realität und den daraus resultierenden Schwierigkeiten inspirierten Ferroni zu „Anleitung zum Guerillakrieg“. Als Grundlage diente ihm eine Biografie aus den frühen 70er Jahren, die zwar noch viele Leerstellen aufwies, ihn aber eher hilfreich waren und anregten.

Marcello Ferroni: Anleitung zum Guerillakrieg
Marcello Ferroni: Anleitung zum Guerillakrieg

Er fokussiert sich aber nicht auf den afrikanischen Staat, sondern auf die zwei letzten Jahre des Che Guevaras: 1966-1967 in Bolivien. Bei einer so vielfältigen Persönlichkeit müsse man einfach reduzieren und daher entschied er sich für die tragische Seite und das sei nun mal die Geschichte in Bolivien. Ein nichtwissender, ironischer Erzähler erzählt, wie man es eigentlich nicht machen sollte und entzaubert durch seine besondere Erzählweise den Mythos Che Guevaras. Ferroni betonte aber auch, dass sein Roman kein Buch gegen Che sein soll, vielmehr soll ein Mensch mit all seinen Fehlern, eine Figur aus Fleisch und Blut dargestellt werden. Er teile nach allen Seiten aus und nehme keine Partei. In Anbetracht der Todesumstände verändern sich Erzählstil und Stimmung des Buches auch zum Ende hin. Während der Fragerunde im Anschluss gab es auch kritische Stimmen. Ein älterer Herr machte dem Autor zum Vorwurf, dass wohl eben nur ein brasilianischer Autor seiner Generation so ein Buch schreiben könne. Ferroni antwortete, dass jede Generation Geschichte anders erlebe und interpretiere.

Marcelo Ferroni und Michael Kegler
Marcelo Ferroni und Michael Kegler

Nach einem kurzen, anschließendem Gespräch mit Michael Kegler und Nicole Witt (Literarische Agentur Mertin) ging dieser anregende Abend für mich zu Ende. „Anleitung zum Guerillakrieg“ von Marcelo Ferroni erschien gerade erst im Suhrkamp Verlag.

Wer sich besonders für Literatur aus Brasilien interessiert ist, findet unter den folgenden Links weitere Informationen:
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