Im Gespräch mit Dámaso y los demás

Die großen, lateinamerikanischen Schriftsteller kennen viele, auch junge zeitgenössische Autoren findet man in den Buchhandlungen. Was passiert aber eigentlich vor der eigenen Haustür? Gibt es schreibende Schriftsteller aus Lateinamerika auch in Deutschland? Mit dieser Fragestellung im Hinterkopf wandte ich mich an Dámaso y los demás – einer schreibende Gruppe aus dem Großraum Frankfurt, die es sich zum Ziel gemacht hat einen Raum für spanischsprachige Literatur zu schaffen.

Wer sind die Mitglieder von Dámaso y los demás und woher stammt ihr ursprünglich? 

Aktuelle Mitglieder von Dámaso y los demás sind: Hugo Casallo (Peru), Lenka Wolf (Spanien-Deutschland), Javier Rosenberg (Argentinien), Carlos Rojas Olivos (Peru), Sandra Campos (Argentinien) und Rodrigo J. Gardella (Argentinien).

Wie habt Ihr Euch gefunden? 

Dámaso y los demás entstand als Gruppe im Juni 2009 mit der Unterstützung von litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V., aus dem Bedürfnis heraus, in Frankfurt am Main einen Raum für Literatur auf Spanisch zu schaffen. Seit seiner Gründung sieht sich die literarische Gruppe als Arbeitskreis, in dem die Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Texte zu lesen und in den Meinungsaustausch zu treten. Die Teilnehmer sind junge spanischsprachige Autoren, die in Deutschland wohnen und schreiben. Bisher hat Dámaso y los demás verschiedene Lesungen veranstaltet, unter anderem eine Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse 2010.

Ihr habt Ende 2011 zusammen ein Buch „No te va a doler“ veröffentlicht. Könnt Ihr dazu mehr verraten? Wie seid ihr auf den Titel gekommen? 

notevaadoler_coverNach drei Jahren Zusammenarbeit haben wir uns entschieden, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. No te va a doler / Es tut gar nicht weh enthält Kurzgeschichten in Spanisch und Deutsch von Carlos Rojas Olivos, Rodrigo J. Gardella, Hugo Casallo und Javier Rosenberg. Während der Vorbereitung des Buches haben wir zahlreiche mögliche Titel in Erwägung gezogen, aber keiner davon hat uns überzeugt. Bis einer von uns scherzhaft „No te va a doler“ vorschlug. Zuerst hatten wir darüber gelacht, aber bald darauf sahen wir, dass dieser Titel viel Potential besitzt. Er soll dazu einladen, sich ohne Vorbehalte in verschiedene Geschichten hineinzuversetzen, denen eine gewisse Passivität gemein ist. Eine Passivität, die verschwindet, sobald man es schafft, sich von diesen Geschichten zerstreuen zu lassen – mit Situationen, die wir im Leben großzügigerweise Wirklichkeit nennen.

Die Autoren sind harmlose Zeugen von Geschehnissen im Alltag jener Personen, die wir selbst sind. In den Akteuren, die auf diesen Seiten erscheinen, können wir uns selbst erkennen, auch wenn wir unsere Handlungen, Freuden und Niederlagen oft verleugnen, um davor zu flüchten, was wir in Wirklichkeit tun. In diesem Buch trifft man in jeder Geschichte auf eine unüberlegte, wehmütige, kompromittierende oder traurige Situation, mit der wir unsere täglichen Erfahrungen in Frage stellen. Die Ankündigung des Schmerzes möchte den Leser darauf einstimmen, sich durch die Ironie, den Scharfsinn oder die Intensität der geschriebenen Worte nicht von der Sensibilität der zugrunde liegenden Moral abbringen zu lassen. Außerdem soll sie helfen, zu verstehen, dass eine Handlung, so einfach und folgenlos sie uns auch erscheinen mag, immer eine Unendlichkeit von Dingen nach sich ziehen kann – den Schmerz eingeschlossen. Durch die deutsche Übersetzung haben wir die Möglichkeit, das deutschsprachige Publikum zu erreichen. Das war ein wichtiger Punkt für uns.

Was sind eure Themen?
Die Themen des Buches sind verschiedenartig. Die Geschichten sind fiktiv, aber viele davon sprechen über die Lebenserfahrung in fremden Ländern. Als Migrant kommt man früher oder später in seinen Erzählungen immer wieder auf dieses Thema zurück. Jedoch bilden generelle Ideen und Erfahrungen die Basis für alle Erzählungen, und dies führt dann zu den vielfältigsten Orten und Geschehnissen.

Wie waren die Reaktionen in Deutschland?

Zum Glück stieß das Buch auf großes Interesse. Im Allgemeinen haben wir gute Kritiken erhalten. Viele Leser, die wie wir nach Deutschland ausgewandert sind, erkennen sich selbst in den verschiedenen Geschichten. Andererseits kann das Buch Lehrenden und Studenten der spanischen Sprache als Arbeitsmaterial dienen.

damaso y los demas
Die Autoren

Die Gruppe trifft sich regelmäßig, um Texte und Meinungen auszutauschen, aber im Moment ist kein gemeinsames Buch in Planung. Einige Mitglieder arbeiten gerade an ihren eigenen Projekten. Allerdings sind wir immer bereit, an Lesungen oder literarischen Veranstaltungen teilzunehmen.Wie geht es jetzt bei Euch weiter? Folgen weitere Bücher von der Gruppe oder sogar von den einzelnen Autoren selbst? 

Wie findet Ihr eure Leser bzw. wie habt ihr das Buch vermarktet? 

Die Gruppe hat einen Blog: http://damasodemas.blogspot.de/ Das Buch kann man entweder bei unseren Lesungen oder unter http://www.amazon.de erwerben.

Gibt es Ambitionen „No te va a doler“ auch in euren Herkunftsländern zu veröffentlichen?

Sicherlich ist es der Wunsch aller Autoren, in ihren eigenen Ländern anerkannt zu werden. Aber dieses Buch wurde unserer Meinung nach eher für Leser in Deutschland konzipiert.

Vielen Dank an Dámaso y los demás für das interessante Gespräch!

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6 Comments

  1. Liebe buechermaniac,

    da die Gruppe offen ist, gibt es wechselnde Mitglieder. Als das Buchprojekt entstanden ist, haben wir alle damals teilnehmenden Autoren angeboten, einen Beitrag einzubringen. Und das war eben das Resultat – also, keine Ausgrenzung von Frauen, sondern ein offenes Konzept.
    Wer das Buch liest, wird jedoch eine Frauenstimme am Ende des Buches finden. Mehr wird hier nicht verraten!

    Liebe Vera,

    vielen Dank für die Verbreitung unseres Werkes.

    Rodrigo J. Gardella

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  2. Liebe buechermaniac,

    deine Frage bzgl. der Autorinnen bei diesem Buchprojekt gebe ich gern weiter und veröffentliche hier die Antwort. Den Namen hast du auf jeden Fall richtig verstanden ;).

    Ich kann dich beruhigen per Mail habe ich sehr viele Reaktionen erhalten. Ich bin schon fleißig am Basteln der Seite, die mir vorschwebt. Da ich das Zeitproblem sehr gut kenne und selbst nicht alle interessanten Beiträge auf anderen Blogs kommentiere, kann ich das erst recht nicht von anderen erwarten.

    Viele von uns fangen ja mit dem Bloggen an weil sie Freude daran haben über ihre Leseerfahrungen zu schreiben – so auch ich. Dieses Special vorzubereiten hat mich so gefangen genommen und begeistert, dass ich mit mir als einzigem Leser zufrieden wäre. Aber zum Glück gibt es ja die Statistiken, die einem dann doch bescheinigen, dass die Beiträge gelesen werden. Und natürlich freue ich mich auch über deine Besuche mit ganz persönlicher Note!

    Lateinamerikanische Autorinnen sind meiner Meinung nach nicht überproportional untervertreten. Das bringt mich aber auf die Idee auch einige Worte dazu hier zu veröffentlichen. Vielen Dank für die Anregung.

    Ganz liebe Grüße zurück
    Vera

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  3. Vielen Dank für die Vorstellung dieser Autoren-Gruppe. Ich finde es schade, dass keine der Frauen beim Buchprojekt mitgemacht hat.

    Verstehe ich den Namen eigentlich richtig: „Dámaso und die anderen“?

    Und etwas erstaunt bin ich, dass ich ausser meinen Kommentaren keine anderen hier finde. Bekommst du wenigstens ein Echo per E-Mail? Ich finde es nämlich toll, dass du hier auf Lateinamerika aufmerksam machst. Nur etwas später hätte ich dir noch eine argentinische Schriftstellerin präsentieren können, die ich gerade lese. Ausser Isabel Allende sind Autorinnen aus Südamerika ja eher untervertreten oder irre ich mich hier?

    Liebe Grüsse
    buechermaniac

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