Horacio Castellanos Moya „Der schwarze Palast“

17b56-horaciocastellanosmoya-derschwarzepalastHoracio Castellanos Moya erlebte ich vor ca. zwei Jahren auf einer Lesung in Frankfurt und spontan musste ich mir sein damals präsentiertes Buch „Der schwarze Palast“ kaufen. Zwei Jahre später (!) hab ich es nun endlich gelesen.

El Salvador im Jahre 1944. Pericles befindet sich im Gefängnis, eigentlich nichts Ungewöhnliches. Kritisiert er doch mit seinen journalistischen Schriften in regelmäßigen Abständen den herrschenden Diktator, der mit seiner Grausamkeit und Ungerechtigkeit das Land im Atem hält. Dieses Mal jedoch soll er länger hinter Gittern bleiben – einen konkreten Grund scheint es nicht zu geben. Seine aufopfernde Frau Haydée schreibt in dieser Zeit ein Tagebuch, um die tragischen Erlebnisse besser verarbeiten zu können.

Freunde und Bekannte machen Haydée Mut und schon fallen auch die ersten Gerüchte über einen möglichen Putsch der Armee. Als es dann wirklich zum Aufstand kommt, steht Pericles und Haydées ältester Sohn Clemente als Radiomoderator an erster Front. Er ruft die Massen auf sich den Putschisten anzuschließen, um die lang ersehnte Freiheit zu erlangen. Zunächst sieht es so aus, als ob alles nach Plan verläuft: der Diktator tot, die Massen stellen sich hinter die Putschisten und die Polizei scheint überzulaufen. Aber wie so oft in der Geschichte läuft es anders. Der General wurde doch nicht getötet und lässt mit unbestechlichen Gefolgsleuten den Aufstand brutal niederschlagen. Es entstehen Todeslisten mit den Namen der Putschisten. Darunter auch Clemente, sein Cousin Jimmy und viele weitere Männer, die dem Bekanntenkreis von Pericles und Haydée angehören. Der Leser erfährt im Wechsel, wie es Clemente und Jimmy gemeinsam auf der Flucht ergeht und Haydée, die zu verzweifeln scheint und die Flucht nach vorn wagt. Mit anderen betroffenen Ehefrauen organisiert sie den illegalen Widerstand, um die Gefangenen frei zu bekommen und weitere Erschießungen durch den General zu verhindern.

„Der schwarze Palast“ schildert ausführlich, wie die Politik Familien entzweien kann und aus Freunden Feinde werden. Pericles war nicht immer der unnachgiebige Kritiker des herrschenden Generals, ja er war sogar politischer Berater desselbigen. Und schließlich Pericles Vater, der allen stillen Vorwürfen zum Trotz hinter dem Diktator steht und Haydée das Todesurteil ihres Sohnes Clemente überbringt. Etwas überrascht hat mich das gut betuchte Milieu, was Moya für seinen Roman gewählt hat. So geht Haydée, bevor sie ihren Mann im Gefängnis besucht, noch schnell in den Schönheitssalon, um nicht ganz so desaströs zu erscheinen. Revolution mit Feuchtigkeitsmaske.
Trotzdem empfehlenswert!

Horacio Castellanos Moya war in Frankfurt bereits Gast des Programmes „Städte der Zuflucht„, lebt und schreibt fast nur im Exil, da er in seiner Heimat El Salvador zu vielen Gefahren ausgesetzt ist.

________________________________
 Horacio Castellanos Moya „Der schwarze Palast“
Original: Tirana Momoria
Fischer Verlag; 2010
Advertisements

2 Comments

Und was sagst du dazu ...?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s