Péter Nádas stellt „Parallelgeschichten“ in Leipzig vor

Péter Nádas in Leipzig
Péter Nádas in Leipzig

Péter Nádas bescherte mir den ersten Abend während der Leipziger Buchmesse. Im Haus des Buches stellte er sein bis dato wohl wichtigstes Werk vor: „Parallelgeschichten„. Erst einen Tag zuvor wurde die Übersetzerin Christina Viragh mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung geehrt. Sieben lange Jahre hat sie an diesem Roman gearbeitet, Peter Nádas selbst hat für die 1.724 Seiten 18 (!) Jahre benötigt.

Mit diesem Werk verabschiedet er sich ganz bewusst vom konventionellen Erzählen, strebt keine Chronologie der Ereignisse an und sieht seine Schreibweise als ständige Reise zwischen Phantasie und Erfahrung. Er selbst habe mitunter ein Problem mit seiner eigenen Arbeit, da weder Anfang noch Ende definierbar seien. So auch bei seinem aktuellen Roman. Natürlich gäbe es einen Anfang – der Fund einer Leiche, der allerdings nicht aufgeklärt wird – aber ein logisches Ende nicht bzw. man könnte es als ein offenes Ende bezeichnen. Gefragt nach seinem literarischen Vorbild in Bezug auf Struktur und Form nannte er „Ulysses“ des irischen Schriftstellers James Joyce – da ahnen sicher schon viele was das bedeutet.

Péter Nádas: Parallelgeschichten
Péter Nádas: Parallelgeschichten

Zwei sehr wichtige Motive im Roman sind die Körperlichkeit und die ausufernde Gewalt. Für ihn sei es befremdlich, dass gerade die Sexualität in der Literatur meist ausgegrenzt wird, dabei sei es doch etwas Natürliches, ja sogar Alltägliches. Warum wird dazu geschwiegen? In „Parallelgeschichten“ hingegen gibt es sehr ausführliche Szenen. Er nutzt die Darstellung von Körperlichkeiten, um den geschichtlichen Verlauf besser begreifen zu können. Da leuchtete bei mir nicht zum ersten Mal an diesem Abend ein Fragezeichen auf. Interessant sei auch die Kritik in Ungarn gewesen. Hauptsächlich männliche Stimmen hätten das Buch abgelehnt, die Frauen (Kritikerinnen und Wissenschaftlerinnen) hingegen hätten ihm den Weg geebnet.

Ich muss gestehen, dass das Buch nicht auf meiner Leseliste landen wird. Dazu bin ich einfach viel zu sehr dem traditionellen Roman verbunden. Ich habe nichts gegen moderne Elemente aber mir wird allein schon beim Anblick des Umfang schwindelig und die Angst vor einer Enttäuschung ist groß. Ich verzichte ganz bewusst in diesem Beitrag auf eine Inhaltsangabe. Das würde ausufern und wie Nádas selbst fände ich kein Anfang und kein Ende. Ich habe bis jetzt auch leider noch keine Rezension auf einem Literaturblog gefunden. Wer etwas gesehen hat, kann gern den Link im Kommentarfeld angeben.

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