Elsa Osario „Die Capitana“

„Die Capitana“ – Die Geschichte einer bemerkenswerten Frau, die leider von der Geschichtsschreibung vergessen wurde. Elsa Osario füllt diese Lücke mit einem sehr persönlichem Roman über Mika Etchebéhère.

Sie wird 1902 als Jüdin in der Provinz Entre Ríos (Argentinien) geboren, ihre Eltern müssen bereits Ende des 19. Jahrhunderts aus der Ukraine fliehen, weil sie die schrecklichen Lebensbedingungen nicht länger ertragen können. Während ihres Studiums in Buenos Aires trifft Mika die Liebe ihres Lebens: Hipólito. Gemeinsam wollen sie die Welt verändern, stellen dabei ihr Leben in den Dienst der Revolution und verzichten freiwillig auf Familie und ruhige Zweisamkeit. Doch immer wieder macht ihnen die schwere Krankheit von Hipólito einen Strich durch die Rechnung und zwingt sie zu längeren Ruhepausen. In den 30er Jahren wird dann endlich ihr Traum wahr und sie gehen nach Europa, zunächst nach Paris, später nach Berlin. Als 1933, nach dem Reichstagsbrand, Jagd auf die Linke gemacht wird, müssen auch sie fliehen. Ihr Weg führt sie zurück in die französische Hauptstadt. Von dort beobachten sie aber sehr genau die Entwicklungen in Spanien und entschließen sich nach Madrid zu gehen. Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg beginnt, ist Mika noch weit davon entfernt eine Capitana zu sein. Erst durch den Verlust ihrer großen Liebe Hipólito greift auch sie zur Waffe und macht den Kampf der spanischen Bevölkerung zu ihrem Krieg.

„… sie hatten festgehalten an ihrer Überzeugung, die auch uns leitete: dem Streben nach einer besseren Gesellschaft. Mit diesem Ziel hatten wir unsere Heimat verlassen, aber erst im Zusammensein mit ihnen begriffen wir, dass wir, so unterschiedlich unsere Herkunft und unsere Lebenswege auch waren, eine einzige Welt teilten und sie nicht ihrem Schicksal überlassen durften. Wir konnten sie ändern. Das glaubten wir wirklich. Inbrünstig.“

Vor allem im Spanischen Bürgerkrieg kann man sehr genau die Konflikte innerhalb der Linken beobachten. Moskauer Agenten und spanische Trotzkisten lieferten sich hinter der Front interne Kämpfe. Da wurden sogenannte „Verräter“ an den Pranger gestellt und Exempel statuiert. Auch Mika wurde von einem russischen Geheimagent, den sie noch aus Berliner Tagen kannte, verraten und verschleppt. Nur durch einflussreiche Freunde, mit denen sie in den letzten Monaten gemeinsam gekämpft hatte, gelang ihr die Flucht. Ihren Lebensabend verbrachte sie später in Paris und als alternde Frau beobachtete sie mit Zufriedenheit der 68er Bewegung. Nach ihrem Tod 1992 schrieb Guy Prévan:

„Als Revolutionärin der ersten Stunde, Antifaschistin und Antistalinistin blieb sie immer ihrem Weg treu, den sie eingeschlagen hat, als sie noch fast ein Kind war.“

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Elsa Osario „Die Capitana“
Original: „Mika Capitana“
Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2011

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