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Michel Bergmann & die Welt der Teilacher

Veröffentlicht am

Jüdische Woche auf glasperlenspiel13

Michael Bergmann

Michel Bergmann

„Machloikes“ – was im Jiddischen soviel wie Durcheinander oder Zwiespalt bedeutet und Titel Michel Bergmanns neuestem Roman ist – gab es am gestrigen Abend in der Buchhandlung Dausien nicht. Dafür aber humorvolle wie nachdenkliche Literatur. Bereits 2010 erschien sein erster Roman der geplanten Trilogie: „Die Teilacher“. Dieser erste Teil spielt im Frankfurt am Main der Nachkriegszeit und handelt von einer Gruppe Teilacher (jüdische Handelsvertreter), die mit ihren Wäschepakete hausieren gehen. Der Autor kennt das beschriebene Milieu sehr genau, da er selbst aus einer jüdischen Handelsfamilie stammt (Vater und Onkel – Gebr. Bergmann).

Der zweite Band „Machloikes“ wurde gestern nun von Bergmann persönlich äußerst unterhaltsam und mit viel Liebe fürs Detail vorgetragen. Mittelpunkt sind wieder die Frankfurter Teilacher um David Bergmann und dem fünfzehnjährigen Alfred Kleefeld. Gekonnt baut Bergmann immer wieder Rückblenden ein, lässt die einzelnen Personen Erinnerungen austauschen und thematisiert so Holocaust, Trauer und Identitätsfrage. Seine Figuren sind einzigartig und doch typisch für die Zeit.

Der im Allgemeinen so hoch gelobte jüdische Humor kommt einem Protagonisten im Buch jedoch teuer zu stehen. Robert Fränkel, Ex-Teilacher, da er sich gerade selbständig gemacht hat, gerät ins Visier der US-Armee. Sein Name erscheint überdurchschnittlich oft in den beschlagnahmten SS-Akten. Nun soll erklären warum. Die Geschichte, dass er als geborener Entertainer Hitler das Witzeerzählen beibringen soll, will ihm niemand glauben. Und so webt Michel Bergmann weiter an seiner Frankfurter Geschichte, die immer bunter und vielfältiger wird. Das Lachen kommt dabei nicht so kurz, obwohl es einem hin und wieder im Halse stecken bleibt.Bei der anschließenden Fragerunde wollte eine Dame wissen, ob es denn die einzelnen Figuren auch wirklich gab. „Sicher nicht 1:1 aber unter den Teilachern, die für meinen Vater und Onkel gearbeitet haben, gab es schon besondere Archetypen, die natürlich eine gute Vorlage für mich waren.“ entgegnete Bergmann und hielt noch eine Anekdote bereit. Nach der Veröffentlichung des ersten Bandes meldete sich ein über 90-jähriger Herr aus Wien bei ihm, der ihm einzelne Figuren mit dem richtigen Namen nennen konnte. Es stellte sich heraus, dass er auch bei den Gebr. Bergmann gearbeitet hatte und daher alle Beteiligten, ob nun grob oder feiner skizziert, kannte.Neben der Trilogie sind weiter Projekte geplant. So interessiert sich der belgische Regisseur Sam Garbarski für eine Filmproduktion des ersten Bandes „Die Teilacher“, da auch er das Milieu der Teilacher sehr gut durch seinen Vater kennt. Wenn man einmal Michel Bergmann selbst lesen gehört hat, möchte man eigentlich auch gleich das Hörbuch inkl. seiner Stimme kaufen. Leider ist dies noch nicht möglich aber der Autor entgegnete auf meine Nachfrage, dass beim Erscheinen des dritten Bandes dies vielleicht möglich sei. Und zuletzt verriet er noch ein kleines Geheimnis: Sein dritter Band erscheint im März 2013 mit dem Titel „Herr Klee und Herr Feld“ und wird mit aller Voraussicht das Buch bei Frankfurt liest ein Buch 2013.

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  1. Liebe buechermaniac,

    vielen Dank für deinen Kommentar und deinen Besuch. Hab mich sehr darüber gefreut. Den Film „Viehjud Levi“ kannte ich noch nicht aber er scheint auf jeden Fall von besonderer Intensität zu sein.
    Den Link zum Buch habe ich für alle Interessierte gleich mal herausgesucht:
    http://www.diogenes.de/leser/katalog/nach_autoren/a-z/s/9783257231526/buch

    Die besten Grüße in die Schweiz
    Bücherliebhaberin

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  2. Ich möchte dir nur einmal sagen, dass sich die ganzen Beiträge über die jüdische Woche sehr spannend anhören und meine Neugierde für den Autor Michel Bergmann hast du ebenfalls geweckt.

    Herzlichen Dank für die Präsentation und deine Mühe, die du dir machst.

    Und da du mitten in der „jüdischen Woche“ steckst, könnte ich dir noch einen Film aus dem Jahre 1998 empfehlen: „Viehjud Levi“, da geht es auch um einen Händler, dem Viehhändler Levi. Kennst du ihn? Wenn nicht, erfahre hier mehr
    http://www.kino.de/kinofilm/viehjud-levi/52138 oder hier kannst du den Trailer gucken
    http://www.youtube.com/watch?v=pXfgRFHR0t8, das Buch gibt es bei Diogenes.

    LG buechermaniac

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