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Silvia Tennenbaum: I have no regrets

Veröffentlicht am

Jüdische Woche auf glasperlenspiel13

Im Rahmen von Frankfurt liest ein Buch, lud gestern Abend das Literaturhaus Frankfurt die Schriftstellerin Silvia Tennenbaum und Regisseurin Hanna Laura Klar ein. Letztere produzierte vor über zehn Jahren den Dokumentarfilm „Lebenslinien“ über die jüdische Schriftstellerin aus Frankfurt. Grundlage dafür war das erfolgreiche Debüt von Tennenbaum „Rachel, die Frau des Rabbiners“.

Silvia Tennenbaum in Frankfurt

Silvia Tennenbaum in Frankfurt

Die Veranstaltung war schon Tage zuvor ausverkauft und Hauke Hückstädt (Leiter des Hauses) konnte unter den Gästen auch Miriam Pressler und Herrn Schöffling begrüßen. Überhaupt die Begrüßung – mal anders als sonst – humorvoll und unterhaltsam, obwohl Hückstädt dies gar nicht beabsichtigt hatte. Eldad Stobezki, der mir noch von der Buchmesse in guter Erinnerung war und das Gespräch mit Lizzie Doron führte, moderierte durch den Abend. Erfreulich war, dass der ganze Film (ca. 50 Min.) gezeigt wurde. So erhielt man ein ganz gutes Bild von der Autorin Silvia Tennenbaum, die mit ihren 84 Jahren moderner ist als manch 50-jährige. Mit ihrer blauen Haarsträhne will sie Aufmerksamkeit schaffen, im Mittelpunkt stehen. Daher gefalle ihr der Rummel um sie eigentlich ganz gut und die blauen Haare sind längst ihr Markenzeichen geworden.

Im gezeigten Film stand wieder einmal die Identitätsfrage im Vordergrund. Dabei betonte Tennenbaum: „Die Juden dürfen sich nicht nur durch Opferrollen definieren, die jüdische Geschichte und Kultur hat viel mehr zu bieten.“ Überhaupt sei das Judentum eben nicht nur Religion. 1938 ging sie mit ihrer Familie ins amerikanische Exil und heiratete Jahre später ihren Mann, einen Rabbiner. Erst durch ihn fand sie zu ihren Wurzeln und verstand sich endlich als Jüdin, in ihrer Kindheit kaum denkbar, da ihrer Familie liberal eingestellt war. Heute lebt die Schriftstellerin in New York und besucht mindestens einmal pro Jahr Frankfurt. Hier fühlt sich nach wie vor sehr wohl. „Wahrscheinlich habe ich mich doch getäuscht – eine richtige Amerikanerin bin ich nie geworden.“ Und sie könnte es sich sogar wieder vorstellen hier zu leben, wären da nicht ihre Kinder und Enkel in den USA. Das Leben sei in Deutschland einfacher als in den USA und fügt einen bekannten amerikanischen Spruch hinzu: „Wenn es zwei Juden gibt, gibt es vier Synagogen“.

Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern

Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern

Das Buch „Straßen von gestern“ – wird in den nächsten zwei Wochen Mittelpunkt bei Frankfurt liest

Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern

Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern

sein. Dazu kurz der Klappentext des immerhin 654 Seiten starken Werkes: „Dort, wo heute in Frankfurt die Doppeltürme der Deutschen Bank aufragen, kommt 1903 Lene Wertheim zur Welt. Die Wertheims sind eine alteingesessene jüdische Familie mit festen Grundsätzen: Man feiert Weihnachten als prunkvolles Familienfest – zum Entsetzen der orthodoxen Verwandtschaft. „Die Juden sind wie alle anderen, und wenn sie es nicht sind, sollten sie es sein.“ erklärt Eduard Wertheim, Bankier, Kunstsammler und Mäzen, seinen Nichten und Neffen. Lene erhält 1938 in Paris für sich, ihren zweiten Mann und ihre Tochter Ausreisevisa für die USA. Aber nicht alle Wertheims haben das Glück, sich rechtzeitig vor den Nazis in Sicherheit bringen zu können.

Am Ende möchte ich noch einmal Sivia Tennenbaum zitieren: „Ich will kein Opfer sein, will nicht mit Mitleid strotzen – I have no regrets!“

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  1. Pingback: Sarah Kaminsky "Adolfo Kaminsky Ein Fälscherleben" | glasperlenspiel13

  2. Liebe Mara,

    soeben habe ich deinen Blog besucht und die Rezension gelesen. Nach deiner positiven Erfahrung freue ich mich umso mehr auf das Buch.
    Ich habe es leider noch nicht gelesen, mir aber nach der Veranstaltung spontan gekauft. Es stapeln sich einfach noch zu viele ungelesene Bücher bei mir :(
    Und du hast Recht: Sie ist eine beeindruckende Frau. Sie ist so lebendig, ja fast quirlig (für ihr Alter), hat einen Sinn für Humor und bringt nichts aus der Ruhe. Es wurde am diesem Abend mehrmals gesagt, dass sie eine starke Frau sei. Das schien ihr zu übertrieben. Wenn man sie dann im Film mit Jeanslatzhose und Basecap sieht, stutzt man einen Moment und denkt, ist sie das wirklich?? Sie hat ihre scheinbaren Widersprüche, die sie aber noch interessanter macht.

    Ihr Debüt „Rachel, die Frau des Rabbiners“ soll wohl auch sehr gut sein. Aber ich bin zufrieden, wenn ich zunächst „Die Straßen von gestern“ schaffe.

    Liebe Grüße zurück
    Die Bücherliebhaberin

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  3. Liebe Bücherliebhaberin,
    caterina hat mich auf dieses Posting aufmerksam gemacht, nachdem ich gestern das Buch von Silvia Tennenbaum auf meinem Blog rezensiert habe. Ich bin immer noch sehr nachhaltig begeistert von ihrem Roman und hätte die Veranstaltung sehr gerne besucht, um sie live erleben zu können. Ich kann mir vorstellen, dass sie eine beeindruckende Frau sein muss.

    Hast du ihren Roman gelesen?

    Liebe Grüße
    Mara

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  4. Mich hätte auch interessiert, was Mirjam Pressler zum Thema Exil zu sagen hat. Schade…
    „Frankfurt liest ein Buch“ ist für mich leider schon vorbei, da ich die Woche keine Zeit habe aber die drei Veranstaltungen letzte Woche haben auch erstmal gereicht. Es gibt ja bald die nächsten.

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  5. Rüstige alte Lady ;)
    Ich habe es übrigens leider nicht mehr zu der Veranstaltung mit Mirjam Pressler geschafft – schade, schade, das Thema klang ausgesprochen interessant, gerade für die Jüdischen Lebenswelten natürlich.
    Wirst du noch andere Veranstaltungen von „Frankfurt liest ein Buch“ besuchen?

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