Fast vergessen: Ludwig Winder

Jüdische Woche auf glasperlenspiel13

Heute übergebe ich das Wort (er selbst hat sich als Der Nachdenkliche getauft) an einen Literatur- und Geschichtsfreund, der erst vor wenigen Monaten den jüdischen Schriftsteller aus Prag Ludwig Winder für sich entdeckt hat:

Du hast Dir etwas sehr Anspruchsvolles vorgenommen – den schier unerschöpflichen Kosmos jüdischer Autoren vorzustellen. Wo fängt man da am besten an? Für mich sind jüdische Autoren deutscher Zunge aus Böhmen (namentlich Prag) immer wieder ein Gewinn, ein Genuss. Nicht nur weil im Grunde meine eigene Wurzeln dort sind, sondern wegen ihrer Brillanz der epischen Dichte und der leisen Wehmut und Sehnsucht, die sie beim Lesen hervorrufen.

Ludwig Winder

Jüngst nahm ich wieder ein Buch eines Prager jüdischen Literaten in die Hand: Ludwig Winders „Die Pflicht“. Von der Literaturkritik wird Winder (1889-1946) in die Reihe der großen Prager einbezogen (Kafka, Brod, Werfel und Kisch), wenngleich viel weniger bekannt. Aber was für ein Autor! Der Bogen seiner Werke spannt sich vom autobiografischen Roman („Die jüdische Orgel“) bis zur historischen Dokumentation („Der Thronfolger“). Winder bezog Position. Frühzeitig warnte er auch vor den Gefahren des Faschismus. Mit „Der Pflicht“ ist ein sehr ausdrucksvolles und differenziertes Werk über den Widerstand des tschechischen Volkes während der deutschen Besatzung entstanden. Ein tschechischer Eisenbahnbeamter tut seine Pflicht. Er geht in den Widerstand. Wie, das soll offen bleiben – auch die Spannung. Es sind Bilder von einfachen Menschen, die Winder beschreibt, glaubwürdig ohne Pathos in Analogie zu „Die Kraft der Schwachen“ von Anna Seghers. Winder hat ein berührendes Buch geschrieben – es zu lesen eine Pflicht.

Der Nachdenkliche

Ich bedanke mich ganz herzlich für diesen Beitrag. Alle Interessierten finden hier eine ausführliche Bibliografie zu Ludwig Winder.

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6 Comments

  1. Das macht doch nichts. Mein Benutzername lässt da ja keine Rückschlüsse zu. Mir ging es mit Kuky auch sofort so, die erste Begegnung waren Kino-Plakate. Damals wusste ich noch nicht genau, was mich erwartet. Es hat sich gelohnt! Man spürt in jeder Szene, wie viel Fantasie und Mühe die Macher hineingesteckt haben. Dazu dann vielleicht ein Gläschen böhmischen oder mährischen Weins. ;-)

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  2. Lieber Leser,
    entschuldige vielmals, dass ich dich falsch „eingeordnet“ habe. Kuky ist mir schon nach dem Trailer ans Herz gewachsen. Den Film muss ich sehen! Deshalb bin ich am Ende doch ganz froh über das Missverständnis, so habe ich Kuky kennengelernt.

    Die besten Grüße
    Bücherliebhaberin

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  3. Und somit erfüllt diese Beitrag genau seine Pflicht: Ludwig Winder eben nicht der Vergessenheit zu überlassen und seine Werke publik zu machen. Es freut mich zu lesen, dass er nun wieder eine Leserin mehr gibt. Ich wünsche Dir viele angeregte Momente mit dieser Lektüre.

    Liebe Grüße
    Bücherliebhaberin

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  4. Vielen Dank für diesen Beitrag an Deinen Literaturfreund. Den Namen Ludwig Winder habe ich mir schon vorgemerkt und in der Bibliothek entdeckt. Deine anderen Artikel habe ich mit ebenso viel Interesse gelesen, danke dafür und viele Grüße!

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