Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer, der Birken liebt“

Mit dem Debüt von Olga Grjasnowa begann ich meine Messeauslese „abzuarbeiten“. Nach wenigen Tage schlug ich das Buch auch schon wieder zu denn Maschas Leben reißt einen raus aus dem Alltag hinein in einen Kosmos voller Trauer, Wut und traumatischer Erlebnisse.

Mascha, ursprünglich Aserbaidschanerin – das Baku ihrer Kindheit ist mir dank Rada Biller nun sehr gut vertraut – lebt mit ihren Eltern in Deutschland. Sie ist ein sprachliches Ausnahmetalent und ihr sehnlichster Wunsch ist eine Anstellung bei der UN. Gute Voraussetzungen hat sie, da sie mehrere Sprachen fließend beherrscht. Die scheinbar heile Welt bricht plötzlich zusammen als ihr Freund Elischa durch einen tragischen Unfall sein Leben verliert. Mascha ist am Boden zerstört und flüchtet sich in Arbeit und Studium. Seit Jahren sorgsam verdrängt, kommen nun auch die schrecklichen Erlebnisse aus ihrer Kindheit in Aserbaidschan wieder hoch und lassen sie mehr denn je resignieren. In ihrer immer schlimmer werdenden Verzweiflung flieht sie nach Israel. Aber auch dort ist sie, wie schon in Deutschland, eher Außenseiterin. Als Jüdin spricht sie kein Hebräisch dafür aber Arabisch. Dass das Konsequenzen hat, versteht sich von allein.

Olga Grjasnowa verarbeitet in „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ eine Vielzahl von Themen: die Migrantenproblematik in Deutschland und die damit einhergehende Identitätssuche, den Nahost- bzw. den israelisch-arabischen Konflikt und die Umbrüche in der ehemaligen Sowjetunion. Sie findet den Ton und die Sprache der heutigen Generation der 20-/30-Jährigen in einer multikulturellen Gesellschaft und mit ihren präzisen und knappen Dialogen entsteht ein unglaublicher Sog, eine Dynamik, die den Leser mitreißt und nicht loslässt. Unbedingt LESEN!

In Leipzig habe ich sie leider verpasst – kam einen Tag zu spät an. Aber ich bin sehr gespannt, was in Zukunft noch von ihr erscheinen wird.

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Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer, der Birken liebt“
Carl Hanser Verlag; München 2012

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7 Comments

  1. Titel, Cover und Verlag haben es auch mir angetan. Die CULTurMag Renzension hatte ich noch vor meiner Lektüre gelesen und war natürlich zusätzlich gespannt.
    Ich habe das Gelesene noch einmal Revue passieren lassen und kann nicht sagen, dass die Dialoge aalglatt und streng choreografiert sind, eher aufs Wesentlich konzentriert, direkt und manchmal auch zweideutig. Da geht viel von Mascha aus, die eher wortkarg und in sich gekehrt ist. Einen Film könnte ich mir mit vielen schnellen Szenenwechseln und außergewöhnlichen Perspektiven vorstellen. Wir werden ja sehen, ob die Redakteure von CULTurMag Recht behalten.

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  2. Das Buch stand bereits auf meiner Wunschliste, in einer der großen Zeitungen hatte ich Rezension dazu gelesen, die ebenso positiv ausfiel wie deine. Ich mag den Titel, das Cover, und den Hanser Verlag mag ich sowieso ;) Aber vor allem der Inhalt reizt mich, dieses Zwischen-den-Kulturen-leben der Protagonistin, ihre fragmentarische Biographie, die keine (nationalen) Grenzen kennt.
    Vor ein paar Tagen habe ich übrigens auch eine Rezension im CULTurMag gelesen (http://culturmag.de/rubriken/buecher/olga-grjasnowa-der-russe-ist-einer-der-birken-liebt/48277). Ebenfalls sehr positiv. Aber mir fiel vor allem der folgende Satz auf: „Stellenweise entsteht aber der Eindruck, dass der Roman deutlich auf eine Verfilmung hin geschrieben wurde. Die Dialoge sind aalglatt und muten streng choreografiert an, man hat da sofort das Bild von Fatih Akin und Grjasnowa auf dem Roten Teppich vor sich“. Kannst du diesen Eindruck bestätigen?

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  3. Liebe buechermaniac,

    so wie du deine Bibliothek beschreibst, ist sie mir auch noch in Erinnerung. Obwohl ich gestehen muss, dass ich seit Jahren nicht mehr in einer war. Ich glaube zu Studienzeiten das letzte Mal. Ich wünsche Dir natürlich, dass du das buch trotzdem bald zwischen den Händen hältst. Für viele ist ja auch das Taschenbuch eine Lösung.

    @ nantik
    Ich freu mich auf deine Meinung zum Buch. Schade eigentlich, dass du „nur“ Krimis vorstellst.

    Liebe Grüße an euch beide

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  4. Ich war schon ganz gespannt auf deine Rezension, denn der Titel und die Inhaltsangabe haben mich sehr neugierig gemacht. Jetzt bestätigst du meine Erwartungen. Ich wäre froh, wenn wir eine solch tolle Bibliothek hätten wie nantik erzählt. Wahrscheinlich muss ich lange warten, bis es das Buch zum Ausleihen gibt und wenn, habe ich immer das Glück, dass es ganz sicher schon jemand anders in Beschlag genommen hat. Ich hoffe jedoch, ich krieg das Buch irgendwann zwischen die Finger, deshalb kommt es jetzt mal auf meinen Merkzettel.

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  5. Also in der Onleihe unserer Bib ist der Roman bereits drin. Meine Vormerkung ist auch die erste, wird also nicht mehr lange dauern. Hoffe ich. Unsere Bib ist aber generell recht fix, wenn es um bestimmte Titel geht. Den neuen Krimis von Fred Vargas haben die zum Beispiel auch schon angeschafft. Und der ist auch gerade mal vor knapp zwei Wochen erschienen. Und ja, ich liebe unsere Bücherei! :-)
    Eine Rezension zu „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ wirst du bei mir indes wahrscheinlich nicht lesen können. Du weißt ja: It's all about Krimi. Aber ich werde dir hier dann schreiben, wie mir der Roman gefallen hat. Ganz bestimmt!

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  6. Liebe nantik,
    die Vorfreude ist gerechtfertigt! Kommen denn heutzutage die Bücher so schnell in die Bücherei? Der Roman ist doch noch gar nicht so lange auf dem Markt. Ich bin jedenfalls gespannt auf deine Meinung aber das werde ich ja bald bei Dir lesen können :)

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  7. Na toll! Auf diesen Roman war ich eh schon ganz heiß – und dann lässt du mich vor Vorfreude noch stärker zapppeln, liebe Bücherliebhaberin! Das ist doch nicht fair! ;-)
    Aber jetzt mal im Ernst: Ich habe mir den Roman in unserer Bücherei bereits vormerken lassen. Mal schauen, wann ich ihn endlich bekomme und lesen darf. Und bis dahin genieße ich einfach das erwartungsvolle Kribbeln in meinem Bauch …

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