Teresa Ruiz Rosas „Die verwandelte Frau“

Zunächst bitte nicht vom Cover abschrecken lassen! Der Gemäldeausschnitt wurde meiner Meinung nach nicht passend zum Buch bzw. Thema ausgewählt. Peru und seine tragische Geschichte der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts stehen dabei im Mittelpunkt. Erst neulich hatte ich einen Roman zur gleichen Thematik vorgestellt: Alonso Cueto „Die blaue Stunde“.

Cara a cara – Von Angesicht zu Angesicht – das ist das Leitmotiv der Patientin Elvira Pena, die sich beim bekannten Schönheitschirurg Dr. Bustìos nicht etwa einen Schönheitsmakel korrigieren, sondern das komplette Gesicht neu machen lässt. Bis zur ersten Visite nach der Operation macht sich Bustìos keine weiteren Gedanken über Elviras Beweggründe. Aber nicht ohne Grund hat sie sich mit dem neuen Gesicht auch eine neue Persönlichkeit geschaffen. Sie will endlich die schreckliche Vergangenheit abstreifen, ein neues Leben beginnen und sich einer ganz bestimmten Sache widmen. Dafür braucht Elvira die Hilfe von Dr. Bustìos. Mit ihrer Frage „Würden Sie ihr außergewöhnliches Talent in den Dienst derer stellen, die es am meisten brauchen?“ versucht sie den Chirurgen für ihr Projekt zu gewinnen und stößt gleichzeitig einen Gedankenprozess bei ihm an. Schon bald kann sie ihn in ihren Bann ziehen und so eröffnen die beiden fernab von der pulsierenden Hauptstadt Lima eine Klinik namens „cara a cara“. Sie machen es sich zur Aufgabe denen zu helfen, die durch die  gewaltsamen Konflikte am meisten leiden. Sie behandeln Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Opfer von Anschlägen und Misshandlungen.

Bei den Feierlichkeiten zum 2. Jubiläum von „cara a cara“ kommt es dann zu einer schicksalhaften Begegnung. Ein früherer Oberstleutnant, jetzt im Ruhestand, spricht Elvira direkt auf ihre Vergangenheit an und plötzlich kommen all die verdrängten Erinnerungen hoch und der Leser erfährt ihre ganze Geschichte. Sie steht exemplarisch für die vielen Tragödien aus dieser Zeit, zeigt aber auch, dass ein Neuanfang möglich ist. Einzig der dramatische Aufbau hat mich gestört. So lässt Rosas den Leser unnötig lang im Unklaren über Elviras Projekt „cara a cara“. Der Versuch dadurch zusätzlich Spannung zu erzeugen misslingt. Eine vorzeitige Aufklärung hätte dem Roman keineswegs geschadet. Trotzdem auf jeden Fall lesenswert!

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Teresa Ruiz Rosas „Die verwandelte Frau“
Verlag Ralf Liebe; 2009
Original: „La mujer cambiada“
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4 Comments

  1. Liebe Nantik,
    das Ende war eigentlich die bessere Hälfte ;) Da hab ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Eigentlich hast du eine ganz gute Herangehensweise: erst die Fiktion dann die Fakten. Ich gehe gerne beide Wege, mal so rum oder andersrum. Mit Peru bzw. ganz Südamerika kannst du auf jeden Fall nichts falsch machen.

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  2. Ich finde das gar nicht so komisch, nantik. Wobei ich es oft umgekehrt mache: Wenn es ein Buch gibt, dass ich unbedingt lesen will, das mir aber schwerfällt, lese ich gerne erst was über das Leben des Autors/ der Autorin. Oft finde ich den Zugang zum Roman dann leichter.
    Danke, liebe Bücherliebhaberin, für die Rezension. Ich finde es übrigens toll, dass du auch Bücher besprichst, die nicht neu auf dem Markt geworfen worden sind. LG Mila

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  3. Okay, obwohl das Ende wohl nicht eben geglückt zu sein scheint, hört sich dieser Roman recht interessant an. Zumal ich mich auch so gar nicht mit der Geschichte Perus auskenne. Bevor ich zu einem Sachbuch zum Thema greife, lese ich immer gerne erst einen Roman, um zu gucken, ob mich eine Sache auch wirklich interessieren könnte. Hört sich komisch an? Ist aber so. ;-)

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