Pál Závada "Das Kissen der Jadwiga"

Bis jetzt habe ich dieses Jahr noch nicht das richtige Händchen für meine Lektüre gehabt. Nun beende ich schon das dritte enttäuschende Buch. Im Plot hieß es „Erzählt wird die Geschichte eines Paares, das sich ein Leben lang nicht findet, aber auch nicht voneinander loskommt. In diesem Buch, das über zwei Generationen vom Ersten Weltkrieg bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts spielt, schreibt Závada über die Liebe und mit ihr über das 20. Jahrhundert
Das traf eigentlich genau meinen Geschmack.

Der Slowake Ondris beginnt am 05. Februar 1915, ein Tag vor seiner Hochzeit, in Form eines Tagebuches sein Leben schriftlich festzuhalten. Diesem wird er ab sofort die Höhe- und Tiefpunkte seiner Ehe mit Jadwiga anvertrauen. Des Weiteren finden sich landwirtschaftliche Angaben zu seinen geerbten Ländereien, Erinnerungen an seine Kriegserlebnisse und seine Rolle im politischen Wirrwarr des 20. Jahrhunderts. Den größten Teil nehmen aber seine Aufzeichnungen in Bezug auf sein Gefühlsleben ein. Geprägt von Zweifeln, Hoffnungen, Leidenschaft, quälender Sehnsucht nach seiner Frau, quälen diese Beschreibungen zum Teil den Leser selbst. Seitenlang windet er sich, dreht Gedanken von rechts nach links und wieder zurück, bis es einen nur noch ermüdet.

Doch plötzlich meldet sich Jadwiga selbst zu Wort. Nach Ondris frühen Ableben nimmt sie sich dem Tagebuch an und ergänzt nach Gutdünken die einzelnen Episoden. So erfährt man dann plötzlich von Ondris Nebenbuhler und so manch anderes Geheimnis – die Geschichte beginnt interessant zu werden.
Zu guter Letzt meldet sich in Fußnoten noch ein dritter Schreiberling zu Wort: der jüngste Sohn Miso. Er ergänzt weitere Details und so entsteht ein vielschichtiges Panorama einer Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Interessant sind die eingebundenen politischen Entwicklungen, die mir zum Teil für den Laien etwas zu komplex erschienen. Es werden slowakisch separatistische Bewegungen, die Unversöhnlichkeit der Kulturen (Ungarn und Slowaken) aber auch Antisemitismus und der Geheimdienst aus den späten Jahren des 20. Jahrhunderts thematisiert.

Die Lektüre (mit 456 Seiten nicht ganz wenig) war streckenweise einfach schleppend, Ondris Darlegungen teilweise zu langatmig und die gewählte Form des Romans wirkte ein wenig konstruiert. Schade.

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Pál Závada „Das Kissen der Jadwiga“
Luchterhand Literaturverlag; 2006
Original: „Jadviga párnája“
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7 Comments

  1. Ja der Marías ist schon eine Nummer für sich. Habe ihn vor einigen Jahren schon mal in Leipzig gesehen. Eine Geschichte bleibt mir dabei immer im Kopf: Im ausverkauften Haus des Buches, in einem geschlossenem Raum, steckt sich der Marías doch eine Zigarre an und pfeift auf alle deutschen Regeln und Feuermelder :) Einfach herrlich!

    @ buechermaniac

    Vielen Dank für deine Zusprache. Die nächsten Bücher habe ich vorher genauesten studiert, um mir eine weitere Enttäuschung zu ersparen.

    Lieben Gruß
    Bühcerliebhaberin

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  2. Liebe Bücherliebhaberin

    Mir ist es auch schon so ergangen, dass ich einfach nicht die richtige Lektüre, die mir zusagt, gefunden habe. Aber Kopf hoch, das legt sich wieder und dann kommen sicher ganz viele Perlen auf einmal :)

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  3. Okay, dann einigen wir uns darauf, dass Marías ein Meister der Gefühle ist – Závada nicht. So einfach ist das.
    Und Ailis und ich werden uns jetzt bestimmt noch darauf einigen können, auf dich, liebe Bücherliebhaberin, neidisch zu sein, weil du Marías so ganz in echt sehen und hören wirst. So einfach ist auch das. :-)

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  4. Hallo Ihr Lieben,

    ich schalte mich jetzt kurz mal ein ;) Versteht mich bitte nicht falsch. Prinzipiell habe ich nichts gegen ausführliche Darstellungen von Gefühlen. Das kann mitunter sogar sehr spannend sein. Nur hat das Závada meiner Meinung nach leider nicht geschafft. Wir sind uns natürlich alle einig, dass das für Marías sicher kein Problem ist. Ich freu mich übrigens schon wahnsinnig auf seinen neuen Roman, den er auch bald in Frankfurt vorstellt. Ich berichte selbstverständlich.

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  5. Ja, aber Marías ist auch ein Meister, der kann das einfach. :-D Ebenso liebe ich seine Bandwurmsätze, die mich bei anderen wahnsinnig machen, weil sie es einfach nicht hinbekommen. Das ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen.

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  6. Prinzipiell stimme ich Ailis zu, denn Romane, in denen Gefühle ständig im Vordergrund stehen und langatmig analysiert werden, sind auch nicht so mein Fall. Es gibt da allerdings eine Ausnahme, die heiß und innig liebe: „Der Gefühlsmensch“ von Javier Marías. Einfach nur schöööööööön! *hach*

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  7. Oh ja, ich kann das sehr gut nachempfinden. Ich habe auch mal ein Buch gelesen, den Titel habe ich leider vergessen, in dem der Protagonist seitenlang seine Gefühle und Empfindungen darlegt, jedes Für und Wider diskutiert, immer und immer wieder – das hat mich so ermattet und letztlich einfach nur noch genervt. Solche Figuren möchte man kräftig schütteln und sie einfach wieder ins Leben werfen, damit die ewige Grüblerei endlich aufhört.

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