RSS-Feed

Irmgard Keun "Das kunstseidene Mädchen"

Veröffentlicht am

Ein GLANZ will sie werden – die kleine Doris. Ein Mädchen oder doch besser eine junge Frau aus der Provinz und in einer Anwaltskanzlei als Schreibkraft tätig. Nach einer Dummheit muss sie fliehen und sie entscheidet sich für das rastlose Berlin. Arbeiten möchte sie eigentlich nicht aber dafür „glänzen“. Dabei soll ihr vor allem das männliche Geschlecht helfen. Geschickt nutzt sie die Männer aus, um an einen Mantel mit Fuchsbesatz, eine goldene Armbanduhr oder einfach nur an das nächste Abendessen zu gelangen. Aber auch sie hat ihre Prinzipien: „Etwas Liebe muss dabei sein, wo blieben sonst die Ideale?

„Das kunstseidene Mädchen“ sind Erlebnisse, Beobachtungen und Schilderungen der Protagonistin Doris, die uns hautnah an ihrem Leben teilhaben lässt. „Frei nach Schnauze“ erzählt sie ihre Abenteuer im Berlin der 30er Jahre und vor meinem inneren Auge erhält die quirlige Hauptstadt wirklich Gestalt. Gerade die Sprache dieser Zeit fesselte mich. Da gab es „Zigaretten zu acht oder zu sechst“, die Mädchen sind „komplett in Garderobe“ oder wer weiß heute noch was ein „echter Feh“ ist. Von der Zeit selbst erfährt man nicht wirklich viel. Doris ist unpolitisch und blamiert sich mit Fragen wie „Sind Franzosen und Juden das gleiche?“. Trotzdem gelingt es Irmgard Keun allein durch Beschreibungen die Stimmung dieser Zeit voller Armut, Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit einzufangen. An die Stimme von Fritzi Haberlandt musste ich mich zunächst gewöhnen; am Ende passte es doch wohl sehr gut.

Advertisements

»

  1. Ich habe Irmgard Keun erst durch Zufall entdeckt, obwohl ich Germanistik studiert habe. Naja Studium ist nicht gleich Studium. Wenn Gigli genauso liebenswert ist wie Doris dann freu ich mich schon jetzt auf die Lektüre.
    Vielen Dank für den Tipp

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Ja, der gute Feh ;) Irmgard Keun hat mich im Studium lange begleitet, ich mag Doris' Naivität, ihre Blauäugigkeit und liebenswürdige Art. Auch „Gilgi – eine von uns“ ist die Lektüre mehr als wert. Hier dreht sich alles um Gisela, die Stenotypistin, die gern für sich selbst sorgen will und von keinem Mann abhängig werden möchte und diese Entscheidung mit aller Härte verfolgt…

    Gefällt mir

    Antwort

Und was sagst du dazu ...?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: