Luis Sepúlveda "Der Schatten dessen, was wir waren"

Nachdem ich das Buch erst vor kurzem erwähnt habe, möchte ich es Euch heute gleich richtig vorstellen, denn der neue Roman von  Luis Sepúlveda liest sich schnell herunter. Die Geschichte dazu ist ebenfalls schnell erzählt. In Santiago de Chile der heutigen Zeit wollen drei ehemalige Freunde Cacho, Lolo und Lucho einen großen Coup durchführen. Alle drei sind Opfer der Pinochet-Diktatur und flohen nach dem Putsch ins Exil. Wieder zurück haben sie es auf die Beute eines Banküberfalls abgesehen, den eine Gruppe von Anarchisten 1925 durchgeführt hat. Als die Zeit zum Aufbruch naht, fehlt nach wie vor der sogennannte „Experte“ – der Vierte im Bunde. Stattdessen kommt, zur Überraschung der anderen, ein Kamerad aus alten Zeiten.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich habe es weniger als Roman, sondern viel mehr als „Geschichtsbuch“ gelesen. Einige Kritikpunkte habe ich trotzdem. Für Leser, die sich in der chilenischen bzw. lateinamerikanischen Geschichte nicht auskennen, wird es nämlich schwierig. Abkürzungen wie MIR (Movimiento de Izquierda RevolucionariaBewegung der revolutionären Linken) und ERP (Ejército Revolucionario del PuebloRevolutionäre Volksarmee) oder Begriffe wie Montoneros (Movimiento Peronista Montonero, die Peronistische Bewegung Montonero) werden nicht weiter erklärt und einige Zusammenhänge nicht näher beleuchtet.

Vielleicht sieht der eine oder andere Leser in „Der Schatten dessen, was wir waren“ nur einen spannenden Krimi. Meiner Meinung nach hat Sepúlveda aber eine Chance vertan dem deutschen Leser ein tieferen Einblick in die Geschichte Chiles zu geben. Schade, ich hätte so gern noch weiter gelesen und nicht schon nach 156 Seiten aufgehört, denn die Geschichte an sich und die Charaktere sind dem Schriftsteller sehr gut gelungen.

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5 Comments

  1. (buchgenuss? eigentlich buechermaniac)
    Irgendwo am Amazonas wohnt lebt ein alter Mann in einer Siedlung, nicht weitab von einem Indianerstamm. Seit dem Tod seiner Frau liest er Liebesromane, die ihm der Zahnarzt, wenn dieser in der Siedlung vorbeischaut, aus der Stadt mitbringt. Eines Tages treibt eine Leiche in einem Kanu vorbei, ein Engländer, übel zugerichtet. Der Verdacht fällt auf die Indianer, aber der Alte weiss, dass das nicht stimmt. Ein Ozelot hat den Engländer getötet. Er wird gezwungen, das Tier im Dschungel zu suchen, da er den Dschungel sehr gut kennt. Das Buch ist hervorragend geschrieben und sehr spannend zu lesen.
    Weitere Details kann ich dir echt nicht mehr mitteilen, denn es ist schon einige Jahre her, dass ich es gelesen habe.
    Ich kann es dir nur empfehlen. Ist auch in einigen Stunden gelesen, es sind nämlich nur etwas mehr als 100 Seiten.

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  2. Ich bin Mitglied bei „Der ANDERE Literaturklub“. Luis Sepúlveda „Der Schatten dessen, was wir waren“ war das letzte Quartalsbuch, daher liegt es bei mir schon eine Weile.

    „Der Alte der Liebesromane las“ hab ich leider noch nicht gelesen. Um was geht es denn da?

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  3. Der Roman ist doch gerade erst erschienen. Hast Du den vorab gelesen?

    Vielen Dank für die Rezension. Hast du „Der Alte der Liebesromane las“ von Sépulveda auch gelesen? Das neue Buch scheint ganz was anderes zu sein

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