Zsuzsa Bánk "Die hellen Tage"

Zsuzsa Bánk ist mir das erste Mal in unserem Literaturkreis über den Weg gelaufen. Damals haben wir zu viert „Der Schwimmer“ gelesen und waren uns einig, dass ist ein ganz besonderes Buch. Als dann der neue Roman „Die hellen Tage“ auch bei der Büchergilde erschien, musste ich zugreifen!

Auch dieses Mal erfreue ich mich an ihrem Stil, der einen ganz bestimmten Tonus hat, der zwischen den Zeilen vermittelt und einen gefangen nimmt. „Die hellen Tage“ ist ein leises, langsames Buch. An einigen Stellen wurde ich zuweilen ungeduldig, wollte weiter, wollte endlich mehr wissen aber Zsuzsa Bánk hält einen zurück, um inne zu halten und über das Gelesene nachzudenken. So lässt sie den Leser besonders intensiv am Geschehen teilhaben und man spürt förmlich mit wieviel Liebe und Leid sie diese Zeilen geschrieben hat.

Aja, Seri und Karl lernen sich in Kirchblüt kennen – helle Tage ihrer Kindheit erleben sie dort, vor allem bei Aja zu Hause, das nicht sonderbarer sein könnte: „…lebte mit ihrer Mutter (Eví) in einem Haus, das kein Haus war, nur ein Häuschen, gehalten von Brettern und Drähten, eine Hütte, an die neue Teile geschraubt wurden, wenn der Platz nicht mehr reichte, wenn es zu eng geworden war, selbst für die eigenen Möbel die Ajas Mutter gehörten, für die Schachteln und Kisten, die sie stapelte, und die Schuhkartons, die sie sammelte, für die vielen Briefe, die sie darin aufbewahrte.“

Ihre gemeinsamen Jahre in Kirchblüt in Evís Garten mit den Birnbäumen und dem kniehohen Gras legen den Grundstein für eine Freundschaft, die ein Leben lang halten soll und sie bei schweren Schicksalsschlägen stützt. Denn jeder Einzelne wird von einem Schatten verfolgt: Karl verliert seinen Bruder Ben, Seris Vater ist schon vor Jahren gestorben und Aja muss sich jeden Herbst erneut von ihrem Vater Zigi, einem Zirkuskünstler, verabschieden. Doch mit dem Erwachsenwerden verschwimmen plötzlich Realität und geglaubte Wahrheiten. Sie erfahren Geheimnisse, die sie nicht wissen wollten und müssen erkennen, dass das Erwachsenwerden nicht einfach ist. Eine wichtige Rolle spielt dabei vor allem Ajas Mutter Eví, die wie ein Schutzengel über alle wacht, unsichtbare Fäden zwischen den Beteiligten spinnt und einen siebten Sinn zu haben scheint. Lange ist es her, dass mir so eine wunderbare Romanfigur begegnet ist. Ein fantastisches Buch und absolut empfehlenswert.

Fazit: Zsuzsa Bánk „Die hellen Tage“ hätte ich sofort auf die Shortlist gepackt.

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5 Comments

  1. „Der Schwimmer“ ist in der Tat großartig, da stimme ich zu!
    „Die hellen Tage“ aber wirkt auf mich ein wenig wie ein zweiter Aufguß: der Versuch, den großen Erfolg des Erstlings zu wiederholen, aber ohne noch etwas Vergleichbares zu sagen zu haben.
    Inzwischen habe ich die Autorin aus den Augen verloren – gibt es noch Titel von ihr, die du empfehlen könntest?

    Herzliche Grüße,
    die Bücherflocke

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  2. Gut, dass wir alle unterschiedliche Geschmäcker haben. Aber du hast schon recht das Motiv der „hellen Tage“ wirkt mit der Zeit abgenutzt aber das gehört halt zu ihrem Schreibstil – diese ständigen Wiederholungen. Das gefällt sicher nicht jedem. Konstruiert fand ich das Ende eher nicht vielmehr bringt sie vorsichtig
    das Leben der unterschiedlichen Charakter zusammen und gibt dem Leser dabei Einblicke in Vergangenes.

    Ich nehme deine Anmerkungen aber gerne mit, denn am Donnerstag gehe ich zu einer Lesung mit Zsuzsa Bánk. Vielleicht gibt es ja Antworten.

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  3. Danke für deine interessante Rezension.

    Ich habe das Buch vor einigen Wochen gelesen (auch die Büchergildenausgabe), aber leider hat es mich nicht ganz so begeistern können, wie dich. Es hat mir gefallen, aber der letzte Funke der Begeisterung ist leider nicht übergesprungen. Für mich wurde das Motiv der „hellen Tage“ einfach zu sehr überstrapaziert. Auch die Art und Weise, wie am Ende alle Erzählstränge zusammengeführt wurden, erschien mir zu sehr konstruiert.

    Dennoch denke ich, dass „Die hellen Tage“ ein gutes Buch ist – auf die Longlist bzw. Shortlist wäre es bei mir aber nicht gekommen.

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  4. Liebe Bücherliebhaberin,

    ich lächle und danke dir dafür, dass ich dank deiner Rezension „Die hellen Tage“ nochmal erleben konnte. Ja, die Eví, die gute Seele, die alle bei sich zusammenbringt, hat mich ebenso fasziniert wie die Liebe, die diese Geschichte ausstrahlt.

    Herzlichst,

    Klappentexterin

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