Simon Urban "Plan D"

Erst vor einiger Zeit hatte ich TUBUK und deren Testleseaktion auf glasperlenspiel13 vorgestellt und schon wurde ich als Testleserin für „Plan D“ auserwählt. Welch Freude kam auf, als das Buch im Briefkasten war. Hier nun also meine kurze Zusammenfassung:

Der Verlag Schöffling & CO.: 
Die DDR 2011: Ein Ex-Berater von Staatschef Egon Krenz wird ermordet. Im grauen, zerfallenden Ostberlin sucht Hauptmann Martin Wegener von der Volkspolizei nach den Mördern – und findet die Wahrheit über sein Land.

Der Autor Simon Urban:
„Wenn man die Idee hat, dass man eine DDR im Jahr 2011 erzählt, dann ist das automatisch ein Text, der DDR-Kritik übt. Zumindest, wenn die DDR so aussieht wie in meinem Roman. Aber es ist natürlich für mich vor allem ein Text über das Deutschland von heute. Und das war für mich der grundsätzliche Anreiz, nämlich quasi zu versuchen, über die Verfremdung, über diese DDR, einen Text über unsere tatsächliche Gegenwart zu schreiben. Etwas zu zeigen, indem man es verzerrt. Und das ist eigentlich mein Hauptanliegen und meine Idee gewesen.“

Die Bücherliebhaberin:
Zunächst möchte ich vorweg stellen, dass ich dieses Buch rein literarisch beurteile – mich also auf die fiktionale Seite von „Plan D“ konzentriere, denn sonst würden mir ehrlich gestanden (als geborene Leipzigerin) ein paar Dinge aufstoßen. Nicht ohne Grund gab es rund um die Veröffentlichung einige Kontroversen und der Roman polarisiert schon jetzt. Genug erklärt, kommen wir zur Literatur!

Wie bereits gelesen, existiert die DDR noch immer und statt der Wiedervereinigung gab es in den 90er die Wiederbelebung der Deutschen Demokratischen Republik unter Krenz. Vor diesem Hintergrund entwickelt Urban einen rasanten Agententhriller, der nicht nur jede Menge Spannung bietet, sondern auch sprachlich hoch interessant ist. Einige Textstellen muss man sich einfach laut vorlesen – erst dann entdeckt man den eigenwilligen Stil voller Ironie, Witz und Sarkasmus.

Nach dem besagten Mord steht Hauptmann Wegener vor einem Rätsel, da es aber allem Anschein nach so aussieht, also ob die STASI dahintersteckt, gelangt die Sache schnell an die höchsten Stellen. Nicht ohne Grund, denn die BRD und die DDR stehen vor wichtigen Verhandlungen und diese dürfen auf keinen Fall gestört werden. Als nun aber der Spiegel darüber berichten will, wird es brenzlig. Und so muss Wegener in Kooperation mit dem BND, sprich einem Westkollegen, nachweisen, dass die STASI unschuldig ist, sonst ist die Zukunft der DDR in Gefahr. Was sie dabei alles entdecken und was hinter dem Plan D steckt, ist im wahrsten Sinne unglaublich!

Zitat (Beschreibung eines Verräters – unbedingt laut lesen!):
„Aber heute Nacht warst du zum ersten Mal eine Zecke mit drei fetten, platten Beinenschatten, eine Zecke, die sich ein allumfassendes Netz gehäkelt hatte und königlich in der Mitte thronte, streng genommen warst du also eine Mischung aus Spinne und Zecke, die so genannte Specke, eine seltene Art, die ausschließlich in sozialistischen Mangelstaaten mit Phobosverkehr und notorischer Luftverfettung vorkommt, die nur dort ideale Lebensbedingungen findet, wo ordentlich geschmiert wird, damit die Dinge auch wie geschmiert laufen, wo niemand zu fassen ist, weil alle eine ölige Haut tragen, die sie geschmeidig und wendig und fischig macht, die sie vor Zugriff schützt, damit einem jeder jederzeit durch die Finger glitscht. In der Welt … bist du zu Hause, die gemeine Charackterspecke, ein Parasit, der Parasiten mag, ein Meister der Täuschung und Enttäuschung, ein ausdauernder Fadenverknüpfer der sämtlich Fäden in sämtlichen Händen und Beinen hält.“

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