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Siri Hustvedt „Der Sommer ohne Männer“

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Mit einem neuen Lebensabschnitt erfährt man bekannterweise auch ganz neue Leseerfahrungen. Hätte ich das Buch vor einem Jahr gelesen, wären mir einige Textstellen sicher nicht mehr so präsent. Als frisch gebackene Mutter sind mir jedoch einige Stellen im Buch ganz besonders aufgefallen:

„Er fuchtelte sich mit seinen Fäustchen vor dem Gesicht rum, streckte die Beine und die Wirbelsäule, und als ich ihn dann kurz darauf im Arm hielt, war er vollständig munter und seine dunklen Augen, wie Kerne, fixierten sich auf meine.“

Das mag jetzt für den einen oder anderen ziemlich banal klingen aber in mir setzt das sofort ganz bestimmte Bilder im Kopf frei … Es ist Hustevdts Schreibweise, die mich besonders fasziniert hat. Bei vielen Szenen hatte ich das Gefühl ich sitze unmittelbar neben Mia, der Hauptakteurin. Keine Angst, natürlich werde ich „Der Sommer ohne Männer“ nicht auf meine mütterliche Gefühlsduselei reduzieren. Daher also zur Geschichte: Lyrikerin Mia erfährt von Boris, ihrem Mann, dass er ganz dringend eine Pause benötigt und diese Pause ist nichts anderes als eine neue Frau. Für Mia bricht nicht nur eine Welt zusammen, sie muss sogar für einige Zeit in die Psychatrie und ist auch danach in Behandlung. Um einen klaren Kopf und genügend Abstand zu bekommen, beschließt sie den Sommer in ihrer Heimatstadt zu verbringen. Dort gibt sie einen Lyrikkurs für sechs pubertierende Mädchen an der hiesigen Schule und entdeckt dabei viele Parallelen zur eigenen Kindheit. Überhaupt führt sie dieser Sommer, auch durch die vielen Gespräche mit der Mutter, in die Vergangenheit und lässt sie so manch Geschehenes neu überdenken. Mit den Freundinnen ihrer Mutter und der Familie ihrer Nachbarin erlebt sie weitere kleine und große dramatische Begebenheiten. Zudem hat sie viel Zeit, um über ihre Beziehung zu Boris nachzudenken. Dieser meldet sich immer öfter per Mail, denn es scheint Schwierigkeiten mit der „Pause“ zu geben…

Das Buch enthält interessante Diskurse und philosophische Ansätze. Für mich das eine oder andere Mal etwas zu abstrakt, zum Beispiel die Abhandlung über das Bewusstsein. Andere Gedankengänge fand ich jedoch recht amüsant: Das Verhältnis von Geschlecht und Gehirn bei Frauen und Männer. Das Buch ist auf jeden Fall – nicht nur für Mütter – zu empfehlen, aber man sollte sich des Anspruchs beim Lesen vorab bewusst sein.

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  1. Das war mein erstes Buch, was ich von Siri Hustvedt gelesen habe. Was sollte ich denn als nächstes in Betracht ziehen??

    Die besten Grüße zurück

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  2. Eine Fülle an interessanten Gedanken und schönen Sätzen, das bleibt mir nun nach der Lektüre im Kopf. Das Buch ist für mich wie ein beschwingter Seiltanz, der manchmal die Balance verliert. Es ist unterhaltsam, aber auch nachdenklich bis melancholisch. Ein Tanzen und beinah ein Fallen.

    Siri Hustvedt bereichert meinen Geist immer wieder, ich kann es nicht anders sagen. Gleichzeitig stimme ich dir zu, ich bin ebenfalls manchmal über abstrakte Stellen – hoppla – gestolpert. Ingesamt ist dies aber ein besonderer Frauenroman, den auch Männer lesen können und sollten. Durchleser hat vollkommen recht!

    In diesem Sinne, beste frauenfreundliche Grüße zum Sonntagabend!

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  3. @synaesthetisch
    schön, dass es anderen auch so geht :)

    @Durchleser,
    besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können. Vielen Dank!

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  4. Siri Hustvedt schenkt uns ein wunderbares Buch über Frauen im Lauf der Jahrhunderte, über die Reife eines Lebens und die weibliche Sensibilität. Ein hoch literarisches Highlight in der Fülle der sogenannten „Frauenliteratur“, das man insbesondere Männern sehr ans Herz legen sollte!

    http://durchleser.wordpress.com/2011/05/28/durchgelesen-der-sommer-ohne-manner-v-siri-hustvedt/

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  5. Ich hatte beim Lesen diese Assiziationen auch ohne selbst Mutter zu sein – kann dich also vollkommen verstehen.

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