Henri-Pierre Roché „Jules und Jim“

Puh, mir ist jetzt noch ganz schwindlig. Schuld daran sind Jules und Jim! Nach diesem Buch von Henri-Pierre Roché merk ich mal wieder, dass ich älter werde. Ich konnte bis zur Hälfte des Romans die beiden Freunde einfach nicht auseinander halten. Lag es am Namen? An den Frauen, die sich beide gern auch mal teilten? Keine Ahnung aber bevor ich Euch mehr über dieses Roman erzähle, schau ich noch einmal ins Buch, damit ich hier nichts Falsches verkünde.

Jim (der Franzose) und Jules (der Deutsche) führen Anfang des 20. Jahrhunderts ein sorgenfreies Leben. Sie lernen sich in Paris kennen und entdecken schnell viele Gemeinsamkeiten, unter anderem die Vorliebe für das andere Geschlecht. Und so folgen in rasenter Geschwindigkeit Damen aus Deutschland, Frankreich und dem hohen Norden: Lucie, Odile, Annie, Magda, Gilberte. Die Freundschaft der beiden Intellektuellen geht so weit, dass sie sich die Frauen, jede für sich einzigartig, „teilen“ oder großzügig abtreten. Das ist nicht mal negativ gemeint, denn immer sind aufrichtige Gefühle im Spiel. Doch dann taucht die temperamentvolle Kathe auf, die zuerst Jules und dann Jim den Kopf verdreht. Es beginnt eine Liebe zu dritt, die lange Zeit gut geht aber unausweichlich auf die große Katastrophe zusteuert. Überraschenderweise kommt es zu keinem Zerwürfnis zwischen den beiden Männern, was man ja durchaus vermuten könnte. Nein, eine ganz andere Komponente zerstört den Dreierbund – die wird allerdings hier nicht verraten. Jims Gedanken lassen jedoch schon früh Furchtbares erahnen:

„Jim beobachtete sie, wie sie da stand, nackt im Profil, strahlend. Sie blickt von der Höhe der vier Etagen auf die leere Gasse hinunter. Jim wurde von der verrückten Idee gepackt, sie möge hinabspringen … ohne sich zu besinnen, wäre er ihr nachgesprungen.“

Ich habe ein wenig gebraucht, um mit der Geschichte warm zu werden. Der Stil von Henri-Pierre Roché wirkte auf mich anfangs distanziert und unterkühlt. Aber da ich jedem Buch eine zweite Chance gebe, blieb ich dran und wurde gefesselt. „Jules und Jim“ ist keine typische tragische Liebesgeschichte. Die freie Liebe wird neu interpretiert und das Interessante ist, dass nicht etwa die beiden Männer die Zügel in der Hand haben, nein es ist Kathe, die als moderne Frau fasziniert, obwohl mir ihre Handlungsweise fremd bleibt. Nach Ákos Molnár bin ich nun schon wieder an eine Liebesgeschichte mit tragischem Ende geraten. Ich würde gern mal wieder eine à la „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë lesen.

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2 Comments

  1. Ja, Du hast Recht. Leider habe ich den Film noch nicht gesehen. Aber danke, dass Du mich noch einmal draufhin gewiesen hast. Den Film „Jules et Jim“ werde ich für die kalte Jahreszeit im Hinterkopf behalten. Auf Deutsch wird es ihn ja sicher auch geben…
    Liebe Grüße
    Vera

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  2. Das ist doch das Buch zum Film von François Truffaut „Jules et Jim“, ein bahnbrechender Film mit einer überwältigenden Jeanne Moreau als Catherine!
    Wie ich in Wikipedia lese (ich wollte mich vergewissern, dass ich den richtigen Film im Kopf hatte), haben François Truffaut und Henri-Pierre Roché noch über das Filmprojekt gesprochen, aber Roché starb, bevor Truffaut seinen Film beendet hatte.
    Der Film wird manchmal noch gezeigt, im Fernsehen vielleicht auf Arte oder in Kinos, die eine historische Reihe zeigen.

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