Erich Hackl „Familie Salzmann“

Und wie ich mich auf diesen Beitrag gefreut habe, denn endlich kann ich einen meiner Lieblingsautoren vorstellen. Erich Hackl begleitet mich nun schon seit einigen Jahren, genauer gesagt seit 2001. Ich musste aber erst nach Spanien aufbrechen, um in einem Seminar über zeitgenössische Literatur aus Österreich von ihm zu erfahren. Seit dem bin ich ein großer Bewunderer und warte geradezu auf Neuerscheinungen des Diogenes Verlages. Das diese nicht jedes Jahr kommen, liegt wohl an seiner ausführlichen Arbeitsweise. Alle seine Romane und Erzählungen basieren auf wahren Geschichten, zu denen er teils Jahre recherchiert. Sein letztes Werk „Familie Salzmann – Erzählung aus unserer Mitte“ erschien Ende 2010 und man kann es einen typischen Hackl nennen. Eva Menasse hat es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Punkt gebracht: „Erich Hackl ist ein besessener Rechercheur und Grenzgänger zwischen Literatur und literarisch-historischer Reportage.“ Er selbst sagt dazu „Die Schriftsteller sind einfach zu faul, um der wahren Geschichte auf den Grund zu gehen. Ich habe schon Probleme, einen Namen zu ändern.“

Er erzählt uns die Geschichte einer Familie – über drei Generationen hinweg bis hin in die heutige Gegenwart. Die Ungerechtigkeit scheint dabei ein braver Gefolgsmann der Familie Salzmanns zu sein und selbst in der jetzigen Zeit nimmt die Intoleranz und Vorverurteilung kein Ende. Aber beginnen wir von vorn: Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts lernt sich das österreichische Ehepaar Hugo und Juliane Salzmann in Bad Kreuznach kennen. Ihre Liebe ist vor allem durch die gemeinsame Abneigung des Hitler-Regimes und durch den aktiven Widerstand, den sie nach der Flucht aus Österreich in Paris fortsetzen, geprägt und gipfelt schließlich in ihrem geliebten Sohn Hugo. Sie werden wie so viele andere Familien auch auseinandergerissen und in alle Winde verstreut. Die Mutter wird später in einem KZ umkommen, der Sohn ein Leben lang versuchen seinem Vater wieder nahezukommen – jedoch ohne Erfolg. Und auch der Enkel erfährt Ungerechtigkeit: Er verliert aufgrund der Äußerung „Meine Oma ist in einem KZ umgekommen“ seinen Arbeitsplatz. Trotz dieser augenscheinlichen Niederlagen gelingt es Hackl den Leser mit dem Gefühl zurückzulassen, dass es Hoffnung auf Veränderung, Glück und Liebe gibt.

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Erich Hackl „Familie Salzmann“
Diogenes Verlag; 2010 Zürich

Weitere Beiträge zu Erich Hackl:

Im Gespräch mit Erich Hackl
Erich Hackl: „Dieses Buch gehört meiner Mutter“

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