Louis Begley beleuchtet französische Geschichte: Der Fall Dreyfus

Louis Begley

Gestern Abend gab sich Louis Begley in Frankfurt die Ehre, um eines seiner letzten Bücher vorzustellen: „Der Fall Dreyfus – Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte“. Die Lesung war sehr gut besucht und es war für mich mal wieder faszinierend festzustellen, dass ich mit meinen 30 Jahren einer der Jüngsten bin. Das Durchschnittsalter lag bei ca. 45plus. Was ja nicht weiter schlimm ist. Ich frag mich nur, warum so wenig junge Leute zu Lesungen gehen. Liegt es an den doch relativ teuren Eintrittsgeldern (immerhin 10 EUR!) oder am Thema selbst, an der Literatur bzw. an Büchern schlechthin? Wo sind die Studenten der Geschichte oder Poltik und wo die jungen Literaturliebenden?

Das letzte Mal sah ich den US-amerikanischen Schriftsteller polnisch-jüdischer Herkunft 2007 auf der Leipziger Buchmesse als er sein Buch „Ehrensachen“ vorstellte. Doch sein wohl bekanntestes Werk, mit dem er den internationalen Durchbruch schaffte, ist sein autobiografische Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“.

Nun zurück zur Lesung: Auf den historischen Fall Dreyfus und seine tagesaktuelle Relevanz wurde Louis Begley durch seine Lektorin aufmerksam gemacht. Als ausgebildeter Anwalt fand er recht schnell den Zugang zur Thematik und das „Buch schrieb sich fast von selbst“. Im Mittelpunkt stehen immer wieder der fragwürdige Prozessablauf, die gefälschten Dokumente und Beweise der Anklagebank und die bewusste Manipulation und Korruption durch die französische Militärführung. Mit dem Verweis auf Guantánamo zeigt er Parallelen auf und schlägt eine Brücke in unser Jahrhundert. Auf die Frage, wie er die aktuelle Lage des Gefangenlagers unter Barack Obama sieht, antwortet Begley diplomatisch: „Als amerikanischer Bürger kritisiere ich nicht gern die eigene Regierung, während ich mich im Ausland befinde.“ Er sei sich aber sicher, dass Präsident Obama sein Bestes gebe, um die Situation zu entschärfen bzw. zu lösen. „Der Fall Dreyfus – Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte“ – ein Buch vor allem für Geschichtsliebhaber und Gerechtigkeitssuchende!

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2 Comments

  1. Lieber Till
    vielen Dank für die zusätzlichen Informationen. Begley sprach an diesem Abend auch sehr viel über Zola, Henri Charrieres hingegen sagte mir noch nichts. Hab auch gleich auf Deinem Blog vorbeigeschaut. Da gibt es ja sehr interessante Sachen zu entdecken!

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  2. Der Fall Dreyfus wurde literarisch berühmt, weil Emile Zola sich mit seinem berühmten Brief an den Präsidenten „J'accuse“ für den Verurteilten einsetzte.
    Eine freie literarische Umsetzung dieses Falles von ungerechter Justiz stellt auch Henri Charrieres „Papillon“ dar. Das Buch könnte ebenfalls J'Accuse heißen, ist es doch eine einzige Vorführung und Anklage des französischen Staats. Auch Papillon landet ungerechterweise auf der Teufelsinsel und nimmt dort auch gelegentlich auf der Dreyfus-Bank Platz. Besser als in Charrieres Roman kann man die Situation der berüchtigten Straflager in Frz. Guyana nicht erläutert bekommen.

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